Der  Schmalkaldische  Krieg.  199

gab  ihm  zugleich  den  listigen  Trost:  daß  er,  Moritz,  des
Churfuͤrsten  Laͤnder  fuͤr  den  Augenblick  nur  deshalb  in  Beschlag
  naͤhme,  damit  sie  nicht  in  fremde,  schonungstose  und
habgierige  Hände  fallen,  sondern  bei  Sachsen  bleiben  mochten;
  daß  er  auch  dieselben  nur  schutzweise  besetze,  um  sie,
nach  beendigten  Unruhen,  dem  Kaiser  und  allen  Katholischen
zum  Possen,  in  des  Churfürsten  Hände  unversehrt  zurückzugeben.
  Diese  unredliche  Verdrehung  hatte  gleichwohl  Glaubwürdigkeit
  für  sich,  denn  einmal  war  Moritz,  wenn  auchnicht
  Schmalkaldischer  Bundesgenosse,  doch  Protestant,  ihm
also  nicht  zuzutrauen,  daß  er  so  offen  feindselig  gegen  den
Glauben,  zu  welchem  er  sich  bekannt,  verfahren  werde,  dann
war  er  auch  des  Churfürsten  nächster  Verwandter,  dem  man
doch  einigermaßen  Rücksichten  für  seinen  Vetter  zutrauen
durfte,  endlich  hatte  ihm  Fohann  Friedrich  noch  besonders
seine  Ländereien,  im  Fall  eines  Krieges,  zum  Schutze  empfolen
  und  Moritz  denselben  zugesagt;  mithin  kam  sein  Gewissen
  hier  noch  ganz  besonders  mit  in's  Spiel,  und  dies
mochte  des  Churfürsten  Verdacht,  wenn  auch  nicht  entfernen,
doch  schwankend  machen.  Als  Ende  October  1546  Koͤnig
Ferdinand  mit  seinen  Truppen  in  das  Voigtland  einfiek,
schützte  Moritz  vor,  daß  er  für  seine  eigenen  Länder  zu  viel  zu
besorgen  haben  werde,  wenn  er  sich  nicht  anschlosse,  er  siel
daher  in  Chursachsen  ein,  nahm  zuerst  Zwickau  weg,  dann
Werda,  und  viele  andere  Orte,  endlich  auch  Altenburg,
  und  noch  vor  Ende  des  Jahres  war,  ausser  Eisenach,
  Wittenberg  und  Gotha,  ganz  Chursachsen  in  seiner
Gewalt.  Erschüttert  vernahm  Johann  Friedrich  die  Nachricht
  von  dem  Schicksale  seiner  Länder  und,  um  der  feindlichen
  Gewalt  nicht  Zeit  zu  lassen,  sich  dort  noch  mehr  festzusetzen,
  suchte  er  auf  dem  Bundestage  zu  Ulm  von  seinen
Verbündeten  die  Vergünstigung  zu  erlangen,  daß  er  mit  einem
  Theile  des  Heeres  zur  Rettung  seiner  Länder  zurückeilen
dürste;  freilich  wieder  ein  übler  Umstand,  indem  man  dadurch
  der  Rettung  eines  Theiles  vielleicht  die  Sache  selbst
aufopferte  und  seine  Kraft,  die  man  gegen  des  Feindes
überlegene  Macht  zusammenzuhalten  Ursache  hatte,  wieder-