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200  Der  Schmalkaldische  Krieg.

um  theilte  und  zerstäckelte.  Die  Verbündeten  waren  zwar
anfangs  der  Meinung,  daß  man  lieber  vom  Kaiser  einen
Frieden  zu  erhalten  suchen  möchte  und  es  wurden  auch  dieserhalb
  Schritte  gethan.  Aber  der  Kaiser,  die  Lage  seiner
Gegner  und  den  Stand  der  Dinge  überhaupt  mit  dem  ihm
eigenen  Scharfblicke  durchschauend,  schrieb  so  harte  Bedingungen
  vor  und  verlangte  so  unbedingte  Unterwerfung  mit
Land  und  Leuten,  daß  man  unmöglich  darauf  eingehen
konnte.  Hätte,  kurze  Zeit  vorher,  der  Churfürst  bei  Giengen
schneller  zugegriffen  und  sich  nicht  auch  dort  erst  in  langweilige,
  ihren  Zeitpunct  verpassende  Berathungen  eingclassen,  so
ba#tte  er  viellcicht  den  Mann,  der  jetzt  so  übermäthige  Bedingungen
  vorschrieb,  fangen  und  ihm  Bedingungen  vorschreiben
  können.  Aber  es  ist  wirklich  herzzerreißend  und
entzweit  endlich  selbst  mit  dem  guten  und  redlichen  Willen  der
Schmalkaldischen  Bundesoberhäupter,  wenn  man  bedenkt,
wie  viele  so  günstige  und  naheliegende  Gelegenheiten,  sich
selbst  zu  Herren  des  Schicksals  zu  machen,  sie  unbenutzt
gelassen  und  wie  sie  dadurch  sich  und  der  Sache  so  schmerzliche
  Verluste  bereitet  haben!  —  Man  ließ  also  den  Churfürsten
  mit  dem  größten  Theile  der  Armee  nach  Sachsen  gehen.
  Hier  war  ihm  das  Glück  günstig,  denn  da  Moritz  —
in  der  festen  Ueberzeugung,  daß  dem  Churfürsten,  der  bereits
so  schwere  Verluste  erfahren,  nicht  beifallen  werde,  zurückzukommen
  —  sich  dieses  Besuches  durchaus  nicht  versehen,
vielmehr  seine  Truppen  schon  in  die  Winterquartiere  hatte
gehen  lassen;  so  ward  es  dem  Churfürsten  ziemlich  leicht,
feine  Lande  beinahe  in  eben  so  kurzer  Zeit  wieder  zu  erobern,
als  er  sie  verloren  hatte.  Hierdurch  aufgemuntert  und  von
einem  nur  zu  gerechten  Zorngefühle  geleitet,  eilte  er,  wiewohl
  in  ehrlichem  Kampfe,  dem  treulosen  Moritz  dasselbe
Schicksal  zu  bereiten,  welches  er  kurz  vorher  durch  ihn  erlitten.
  Er  fiel  in  dessen  Lande  ein  und  eroberte  dieselben  in
kurzer  Zeit,  bis  auf  Dresden  und  Leipzig.  Leßsteres  hielt
sich,  obschon  er  es  (6.  —  7.  Januar  154/)  hart  belagerte,
sehr  tapfer,  doch  mochten  die  Belagerten  wohl  von  des
Churfürsten  eignen  Offizieren,  welche  zum  Theil  ihre  Fami-