Der  Schmalkaldische  Krieg.  201

lien  in  dieser  Stadt  wußten,  heimlich  beguͤnstigt  und  geschont
  werden.  Johann  Friedrich,  um  die  Zeit  und  seine  Kraͤfte
nicht  nutzlos  zu  vergeuden,  brach  daher  die  Belagerung  ab
und  ging  nach  Altenburg,  um  seinen  Kriegern  eine  kurze
Ruhe  zu  goͤnnen;  denn  auf  eine  lange  durfte  er  nicht  rechnen,
  weil  der  Kaiser  eifrige  Anstalten  machte,  seinem  bedraͤngten
  Bundesgenossen  Moritz,  der  sich  zu  Dresden  in
einer  sehr  unbehaglichen  Lage  besand,  zu  Hilfe  zu  eilen.
Wirklich  langte  auch  gar  bald  ein  Vortrab  dieser  kaiserli—
chen  Hilfe  in  der  Person  des  Markgrafen  Albrecht  von
Brandenburg  =  Culmbach  an.  Aber  Albrecht  ließ  es  sich  zu
lange  bei  der  anmuthigen  Wittwe  (Herzogs  Johann,  des
Sohnes  Georgs  des  Bärtigen)  Elisabeth,  die  zu  Rochlit  ihren
Hof  hielt,  gefallen.  Johann  Friedrich  ging  ihm  entgegen,
überrumpelte  den  galanten  Albrecht  und  nahm  ihn  (2.  März)
nach  einem  Gefechte,  worin  die  Brandenburger  unterlagen,
gefangen.  Erschreckt  durch  diese  neuen  drohenden  Aussichten,
entfioh  Moricz  nach  der  böhmischen  Gränze  und  Joham
Friedrich  rückte  nach  dem  Erzgebirge  vor.  Noch  immer  lächelte
  ihm  —  freilich  aber  auch  nur  ihm,  deun  das  schmalkaldische
  Bundeheer  war,  nach  des  Churfürsten  Abgange,  so
gut  wie  aufgelos't,  und  der  Kaiser  hatte  die  einzelnen  protestantischen
  Stände  auf  harte  Weise  zur  Ruhe  verwiesen  —
das  Gluck.  Die  Böhmen  waren  vom  Kdnig  Ferdinand
aufgefordert  worden,  ihm  Hilfe  gegen  den  Churfürsten  von
Sachsen  zu  leisten.  Da  aber,  noch  von  Huß  her,  unter  den
Bohmen  ein  protestantischer  Keim  sich  regte  und  der  rdmische
  Stuhl  vicl  Widerwillen  bei  ihnen  vorfand,  so  weigerten
  sie  sich  dieses  Beistandes,  oder  betrieben  ihn  wenigstens
sehr  lau.  Ferdinand  glaubte  nunmehr,  sie  mit  Gewalt  zur
Hilfeleistung  antreiben  zu  müssen,  aber  er  fuhr  damit  noch
übler.  Die  Böhmen  widersetzten  sich  ihm  nunmehr  offenbar,
  errichteten,  unter  Vorstand  eines  Caspar's  von  Pflug,
ein  Bündniß  zum  Schutze  ihrer  Freiheit,  und  setzten  sich  mit
dem  Churfürsten  in  Einverständniß,  welcher  ihnen,  unter
Thumöhirn,  einen  Theil  seiner  Truppen  sandte  und  dafür  von
ihnen  die  Zusicherung  aller  Unterstützung  erhielt.  Aber  dem