202  Der  Schmalkaldische  Krieg.

unglücklichen  Churfürsten  sollte  nicht  mehr  die  Zeit  kommen,
von  diesen  neu  sich  ihm  eröffnenden  Vortheilen  Gebrauch  zu
machen.  Moritz  suchte,  um  nur  einigermaßen  Zeit  zu  gewinnen,
  den  Churfürsten  zu  einem  Waffenstillstande  zu  bewegen,
  den  dieser  —  am  unrechten  Orte  übereilt,  wie  er
sonst  am  unrechten  Orte  zu  zögern  pflegte  —  ihm  zugestand.
Indessen  hatte  der  Kaiser  aus  Schwaben  her,  wo  er  sich
bereits  Ruhe  verschafft,  und  über  Böhmen,  wo  er  sich  mik
den  Truppem  des  Königs  Ferdinand  und  des  Herzogs  Moritz
verstärkte,  sich  (12.  April)  auf  den  Weg  nach  Sachsen  gemacht.
Churfürst  Johann  Friedrich  befand  sich  eben  zu  Meißen,  als  er
die  Nachricht  von  der  Ankunft  des  Kaisers  vernahm.  Aber
der  unglückliche  Fürst  war  dergestalt  von  Verräthern  umgeben,
  daß  man  einstimmig  ihn  zu  überreden  wußte,  es  sey
dies  nicht  das  Heer  des  Kaisers,  sondern  nur  ein  umherziehender
  Schwarm  gewesen,  und  er  habe  noch  nicht  Ulrsache,
seine  Stellung  an  der  Elbe  aufzugeben,  zumal  vielleicht  die
Böhmen,  welche  ihren  Beistand  zugesagt,  dem  katholischen
Heere,  wenn  es  den  Durchgang  durch  ihr  Land  versuche,
eine  Scharte  beibringen  würden.  Obgleich  nun  der  Churfürst
  zum  Theil  seine  Leute  zu  kennen  schien  —  wie  wenigstens
  seine,  wenige  Tage  vor  der  verhängnißvollen  Schlacht,
in  schmerzlicher  Ironie  gethane  Aeußerung  schließen  laßt:  er
sey  reicher,  als  Christus;  denn  dieser  habe  nur  einen  Verrdther
  am  Tische  gehabt,  an  seinem  Tische  aber  gebe  es
viel  solcher  Leute  —  so  verlaugnete  sich  sein  Mißtrauen  doch
gerade  im  entscheidendsten  Augenblicke,  und  er  glaubte  wirklich
  den  Kaiser  noch  fern.  Aber  bald  mußte  dlese  Selbsttäuschung
  schwinden;  er  wurde  überzeugt,  daß  das  feindliche
Heer  mit  eiligem  Zuge  sich  der  Elbe  näherte,  und  beschloß
daher  sich  in  die  Festung  Wittenberg  zu  werfen,  wo  er  allerdings
  sich  eine  Zeitlang  hatte  halten  und  während  dessen
sich  gehörig  auf  den  Kampf  vorbereiten  können.  Er  brannte
daher,  um  den  Kaiserlichen  den  Uebergang  zu  verwehren,  die
Meißner  Elbbrücke  hinter  sich  ab  und  lagerte  sich  bei  Mühlberg.
  Die  Kaiserlichen  waren  ihm  am  andern  llfer  der  Elbe
nachgeeilt  und  standen  am  24.  April  ihm,  durch  den  Fluß