Der  Schmalkaldische  Krieg.  263

getrennt,  gegenöüber.  Sie  versuchten  den  Uebergang,  würden
ihn  aber  schwerlich  bewerkstelligt  haben,  wenn  nicht  ein
Mäller  —  aus  Nache,  weil  ihm  Tags  vorher  die  churfürstlichen
  Soldaten  seine  Pferde  weggenommen  hatten  —  ihnen
eine  Furth  durch  die  Elbe  gezeigt  hätte.  Stait  hier  noch
einmal  Alles  aufzubieten,  um  dem  Feinde  den  selbst  unter
den  günstigsten  Umständen  noch  immer  schweren  Uebergang  zu
verleiden,  ließ  der  Churfürst  in  moglichster  Eile  nach  Torgau
und  Wittenberg  aufbrechen  und  göônnte  dadurch  den  Feinden
cinen  um  so  leichtern  Uebergang.  Diese  benutzten  auch  in
der  That  diesen  Vortheil  so  gut,  daß  sie  den  Uebergang  sehr
schnell  bewerkstelligten  und  den  Churfürsten  in  der  lochauer
Haide  einbolten.  Hätte  er  sich  mit  seinem  Gebete  etwas
kürzer  gefaßt,  so  hätte  er  einen  weit  bedeutenderen  Vorsprung
haben  konnen.  Er  hatte  sich  dadurch,  daß  er  starke  Truppenabtheilungen
  nach  Niedersachsen  und  Bohmen  geschickt,
so  geschwächt,  daß  er  nur  noch  über  9  bis  10,000  Mann
zu  verfügen  hatte,  dagegen  waren  die  Kaiserlichen  gegen
36,000  Mann  stark.  Doch  die  Noth  war  da,  und  die
Schlacht  konnte  nicht  vermieden  werden.  Der  Churfürst
stellte  sein  Heer  in  der  Haide  in  eine  gute  Schlachtordnung,
die  wohl  etwas  ausgreichtet  haben  könnte,  waͤre  nicht  die
Uebermacht  auf  der  andern  Seite  und  der  Verrath  unter
seiner  nächsten  Umgebung  wach  gewesen,  ermahnte  seine
Krieger  zum  tapfern  Widerstande  und  gab  die  Losung  zum
Angriff  mit  den  Worten:  „Gottes  Wort  bleibt  in  Ewigkeit!“
  Die  Kaiserlichen  fochten  unter  dem  Schlachtrufe:  „St.
Georg,  Burgund  und  Hispania!“  Den  ersten  Angriff  gegen
die  eine  Seite  der  churfürstlichen  Armee  machten  Moritz's
Schützen,  auf  der  andern  Seite  griffen  die  neapolitanischen
Truppen  an;  bald  folgte  auch  die  übrige  Heeresmacht.  Die
sächsische  Reiterei  ward  zuerst  geworfen  und  brachte  durch
ihre  ungestüme  Flucht  auch  das  Fußvolk  in  Unordnung,
welches  noch  einige  Zeit  widerstand.  Aber  einmal  erschüttert,
  ward  es  durch  den  wüthenden  Anfall  der  feindlichen
Reiterei  auch  bald  zum  Weichen  gebracht  und  in  planlose
Hausen  zersprengt,  welche  ordnungslos  hin  und  wieder