204  Johann  Friedrich's  Gefangenschaft  und  Abdankung.

noch  fochten  oder  flohen.  In  einem  dieser  fechtend  fliehenden
  Haufen  befand  sich  auch  der  Churfuͤrst.  Er  war  in
das  nahe  Gehoͤlz,  die  Schweinart  genannt,  gekommen,  als
die  Kaiserlichen  ihn  und  die  Seinigen  umringten.  Trotz  seiner
  schweren  Leibesgestalt  —  die  ihn  nicht  nur  den  Feinden
leicht  kenntlich  machte,  sondern  ihm  auch  Fliehen  und  Fechten
erschwerte  —  focht  er  mit  der  größten  Tapferkeit  und  wehrte
sich  seiner  Haut  gewaltig.  Er  hieb  und  stach  mehrere  der
Kaiserlichen  nieder;  aber  auch  seine  wenigen  Getreuen,  die
ihn  in  dieser  schwersten  Stunde  selnes  Lebens  nicht  verlassen,
  waren  getddtet,  er  selbst  blutete  heftig  aus  einer  Wunde
im  linken  Backen.  Doch  wollte  er  sich  wenigstens  keinen
Ausländer  ergeben;  als  er  jedoch  unter  den  Feinden  einen
ihm  bekannten  meißnisch=  sächsischen  Edelmann,  Thilo  von
Trotta,  gewahrte,  zog  er  seinen  Ring  vom  Finger  und  gab
ihm  denselben  mit  den  Worten:  „Ich  will  dein  Gefangener
seyn.  So  führe  mich  denn  hin!“  Selbst  der  fanatische
Ferdinand  sagte  von  ihm,  daß,  wenn  Alle  so  gefochten  wie
der  Churfürst,  derselbe  wohl  nicht  geschlagen  und  gefangen
worden  wäre.  Von  seinem  ganzen  Heere  waren  nur  400  Mann
entflohen,  welche  des  Churfürsten  ältester  Sohn,  nachdem  er
im  Treffen  verwundct  worden  war,  nach  Wittenberg  hineinführte.
  Die  Uebrigen  waren  getodtet  und  gefangen.
Der  Kaiser  sagte,  wie  einst  Cdsar,  von  diesem  Siege:  Veni,
vidi,  jedoch  mit  der  bescheidenen  Wendung:  Deus  vicit.
Im  Grunde  hatte  Niemand  ihm  besser  siegen  hbelfen,  als
die  Schmalkaldener  selbst.  Der  Kaiser  behandelte  den  gefangenen
  Churfürsten  nicht  mit  der  Achtung,  welche  dessen
Muth  und  dessen  Unglück  verdiente.  Als  derselbe,  heftig  aus
der  empfangenen  Wunde  im  Gesicht  blutend,  vor  ihm  erschien
und  ihn  mit  den  Worten:  „Allergnädigster  Kaiser!“  begrüßte,
  antwortetc  er  bitter:  „bin  ich  nun  Kaiser?“  Als  nun
Tener  um  ein  fürstliches  Gefängniß  bat,  entgegnete  der  Kaiser:
  er  werde  ein  Gefängniß  erhalten,  wie  er  es  verdiente.
Da  bedeckte  der  Churfürst  wieder  sein  Haupt  und  sagte  gefaßt:
  „Ich  bin  in  Eurer  Gewalt;  macht  mit  mir,  was  Euch
beliebt.“  Auch  der  König  Ferdinand  ließ  sich  mit  bittern