208  Johann  Friedrich's  Gefangenschaft  und  Abdankung.

nicht  mehr  Churfürst  war,  sondern  nur  noch  Johann  Friedrich
  der  Aeltere  hieß.  So  ward  demselben  zwar  das  Leben
  zugesichert,  aber,  zufolge  der  von  ihm  unterzeichneten
Wittenberger  Capitulation  (19.  Mai)  mußte  er  für  sich  und
seine  Nachkommen  auf  die  Churwürde  Veczicht  leisten,  desgleichen
  seine  meisten  Länder  abtreten,  Wittenberg  übergeben
und  Gotha's  Festungswerke  abtragen  lassen,  den  von  ihm
gefangen  gehaltenen  Markgrafen  Albrecht  ohne  Lösegeld  freilassen,
  das  Reichskammergericht  anerkennen,  die  Restitution
  des  durch  den  schmalkaldischen  Bund  vertriebenen  Herzogs
  Heinrich  von  Braunschweig  zugeben,  jedem  Bündnisse
gegen  den  Kaiser  und  den  rômischen  König  entsagen  und
bis  auf  weitere  Bestimmung  des  Kaisers  Gefangener  bleiben.
  Diese  Capitulation  war  eine  dem  zu  Plündernden  abgezwungene
  Plünderungserlaubniß.  Nur  das  tridentische
Concilium  erkannte  Johann  Friedrich  durchaus  nicht  an;
sein  Glaube  stand  ihm  höher,  als  irdische  Macht  und  Ehre.
Die  abgetretenen  Güter  und  Lande  Johann  Friedrich's  fielen,
zufolge  dessen  leberweisungsbriefes  vom  1.  Juni,  an  Herzog
  Moritz,  welcher  dafür  die  auf  diesen  Landen  haftenden
aͤltern  Schulden  übernahm  und  den  Kindern  Johann  Friedrich's
  einen  Jahrgehalt  von  50,000  Gulden  aussetzte,
ihnen  auch  dieserhalb  mehrere  Städte,  Aemter  und  Schlösser
  unterpfändlich  einrdumte.  Nach  Abschluß  dieser  harten
Capitulation  dffnete  Wittenberg  seine  Thore  und  der  Kaiser
hielt  seinen  Einzug.  Johann  Friedrichs  Gemahlin  kam  zu
Carl  in  das  Lager  und  bat  unter  vielen  Thränen  für  ihren
Gemahl.  Carl  nahm  sie  schonend  auf,  doch  konnte  sie  weiter
  nichts  von  ihm  erlangen,  als  die  Vergünstigung,  daß
ihr  Gemahl,  unter  Begleitung,  sie  noch  einmal  in  Wittenberg
  besuchen  und  ihr  Lebewohl  sagen  durfte.  Er,  dem  man
Alles  genommen,  hatte  doch  noch  Trost  für  sein  Weib  und
seine  Kinder.  So  reich  wäre,  an  seiner  Stelle,  keiner  seiner
Sieger  gewesen.  In  Wittenberg  benahm  sich  der  Kaiser
ziemlich  gnddig;  er  wollte  nicht  einmal  zugeben,  daß  man
um  seinetwillen  den  evangelischen  Gottesdienst  unterbreche;
vielleicht  hätte  er  aus  Neugierde  ihm  beigewohnt.  Uebrigens