206  Johann  Friedrich's  Gesangenschaft  und  Abdankung.

selbst  gdnnte  man  später  den  Titel  eines  „gebornen  Churfürsten
  von  Sachsen,“  der  im  Naumburger  Vertrage  foͤrmlich
  bestätigt  ward.  Es  war  dies  unter  solchen  umständen,
ein  Prädicat,  welches  eben  so  viel  Rührendes  und  Wehmüthiges,
  als  Fronisches  mit  sich  führte.  Seine  Gemahlin
zog  mit  ihren  Kindern  nach  Weimar;  sie  sämmtlich  trugen
Trauerkleider  und  legten  diese  nicht  eher  ab,  bis,  nach  fünfjähriger
  Gefangenschaft,  Johann  Friedrich  in  den  Kreis  der
Seinen  zurückkehrte.  Dies  war  dann  freilich  ein  Zurückkehren
  aus  dem  Schiffbruche,  welchem  nur  das  Leben  und  die
innere  fröhliche  leberzeugung  abgerungen  worden  war.  —
Waͤhrend  so  Johann  Friedrich  kämpfend  seinem  boͤsen
Schicksale  begegnete  und  erlag,  befand  sich  sein  Verbündeter,
der  Landgraf  Philipp  von  Hessen,  in  einer  allerdings  nicht
eben  trostreichen  Lage,  welche,  statt  dusserster  Entschlossenheit,
in  ihm  eine  Art  von  Lethargie  hervorbrachte.  Statt  seinem
Bundeögenossen  zu  Hilfe  zu  eilen,  denselben  seiner  Noth  zu
entreißen  und  dadurch  an  ihm  wiederum  einen  kräftigen
Helfer  für  sich  selbst  zu  gewinnen,  sah  er  wehklagend,  aber
unthätig  dessen  Falle  zu  und  war,  des  geschlossenen  Glaubensbündnisses
  gänzlich  vergessend,  nur  darauf  bedacht,  seine
Länder  zu  schützen.  Da  er  aber,  nach  des  Churfürsten  Mißgeschick,
  allerdings  sich  nicht  mehr  die  hinreichende  Kraft  zum
Widerstande  zutrauen  durfte,  so  war  der  Unglückliche  sehr
erfreut,  als  der  Churfürst  Johann  von  Brandenburg  und  der
Churfürst  Moritz,  Philipp's  Schwiegersohn,  eine  Vermittelung
  zu  Srtande  brachten,  nach  welcher  sich  der  Landgraf
freiwillig  dem  Kaiser  unterwerfen  fsollte.  Aber  Joachim  und
Moritz,  welche  ihm  seine  Freiheit  zugesschert  hatten,  waren
selbst  damit  getäuscht  worden,  und  als  Philipp  zu  Halle
Bn  (19.  Juni  1547)  sich  fußfällig  dem  Kaiser  uͤberlieferte,
ward  er  als  Gefangener  betrachtet  und  theilte  das  Schicksal
seines  einstigen  Bundesgenossen.  Beide  beglelteten  von  nun
an,  als  Gefangene,  den  Kaiser  auf  allen  seinen  Sügen.
Des  Leßtern  erstes  und  einziges  ernstliches  Geschäft  in  geistlichen
  Angelegenheiten  war,  daß  er  den  von  Johann  Friedrich
  eingesetzten  Bischof  zu  Naumburg,  Nicolas  Amsdorf,