Albrecht  der  Behente.  215

Franckerischen,  doch  noch  eine  Kette  für  ihn  aufgetrieben
haben  würden.  Dieser  böse  Umstand,  der  ihm  gerade  bei
einem  entscheidenden  Unternehmen  hindernd  entgegentrat,  ergriff
  ihn  so  tief  und  schmerzlich,  daß  er  daruͤber  krank  wurde
und  (12.  September  1500)  zu  Emden,  in  einem  Alter  von
58  Jahren  starb.  Sein  Leichnam  ward  einbalsamirt  und
in  der  Fuͤrstenkapelle  zu  Meißen  in  der  Naͤhe  Friedrich's
des  Streitbaren,  mit  welchem  er  im  Leben  viele  Aehnlichkeit
  (besonders  dadurch,  daß  er  im  Anschluß  an  das  Kaiserhaus,
  eine  Menge  auswaͤrtiger  Kriege  focht,  welche  seinem
Namen  Glanz,  aber  seinem  Lande  keinen  Vortheil  brachten)
hatte,  beigesetzt.

Albrecht  war  ein  Fürst  von  großen  Gaben,  tapfer,  beharrlich
  und  treu,  ein  würdiger  Zeitgenosse  des  letzten  Ritters,
  Maximilians  von  Oesterreich.  Seine  Anhänglichkeit
an  dieses  Haus  ging  wohl  zu  weit,  besonders  da  er  für
seine  eignen  Länder  —  die  er  durch  seine  immerwährenden
dußern  Kriege  im  Interesse  Oesterreichs,  doch  einigermaßen
vernachlässigen  mußte  —  so  wenig  dabei  gewann;  ein  Vorwurf,
  welcher  mehr  der  undankbaren  Kargheit  Oesterreichs
zur  damaligen  Zeit,  als  ihm  selbst  beizumessen  ist.  Ehrenvoll,
  wenn  auch  nicht  hinreichend  politisch  motivirt,  war
jedenfalls  seine  standhafte  Ausdauer  auf  der  Seite  des  Kaisers;
  die,  stinen  Aeußerungen  gemäß,  wirklich  ihren  Grund
weit  mehr  in  gewissenhafter  Befolgung  seines  Pflichtgefühles,
  als  in  politischen  Speculationen  gehabt  haben  mag;
denn  als  man  ihm  vorstellte,  daß  er  zu  viel  für  Oesterreich
thue  und  es  vielleicht  dereinst  nicht  vergolten  bekommen
werde,  antwortete  er;  „Ich  hab'  mich  einer  Sache  unterstanden,
  und  ich  wollte,  daß  alle  mein  Land  und  Gut,  so
ich  auf  Erden  habe,  zu  Gelde  gemacht  wären,  ich  wollte
meinem  Herrn  Kaiser  Maximilian  solche  Dienste  thun,  daß
man  davon  ein  tausend  Jahr  sollte  zu  sagen  und  zu  schreiben
  wissen;“  und:  „es  wäre  besser,  daß  alle  Fürsten  zu
Sachsen  nach  Brod  gingen,  denn  ein  roèmischer  König.“  —
Ohngeachtet  dieses  Fehlers,  mehr  nach  aussen,  als  nach  innen
  zu  streben  und  lieber  entfernte  Eroberungen  zu  ergreifen,