218  Georg  der  Baͤrtige.

zur  Uebergabe  zu  bringen,  und  er  ertheilte  die  Aufsicht  uͤber
Friesland  dem  Grafen  Edzard  von  Ostfriesland,  der  ihm  bei
der  Belagerung  der  Stadt  Groͤningen  Dienste  geleistet  hatte,
sie  nach  erfolgter  Uebergabe  aber  als  eigne  Eroberung  betrachtete
  und  sie  herauszugeben  sich  weigerte.  Georg  konnte
ihm  anfangs  keinen  sehr  ernsthaften  Widerstand  entgegensetzen
  und  war  froh,  daß  es  wenigstens  vor  der  Welt  schien,
als  ob  er  dem  Grafen  die  friesischen  Lande  freiwillig  übertragen
  habe,  Aber  Edzard  griff  immer  weiter  um  sich,  verbündete
  sich  mit  dem  Herzoge  Carl  von  Geldern  und  machte,
da  die  Gröninger  sich  endlich  nicht  Georg,  sondern  Carl  von
Geldern  unterwarfen,  dem  Herzog  Georg  den  Kopf  so  warm,
daß  dieser  die  Lust  an  ganz  Friedland  verlor  und  seine  Erbstatthalterschaft
  (1515)  dem  Erzherzoge  Carl  von  Oesterreich,
dem  der  Rückkauf  freistand,  um  200,000  Gulden  rheinisch
überließ.  Das  war  das  erste  ruhige  Geld,  welches  die  friesische
  Statthalterschaft  —  von  welcher  der  Kaiser,  als  er  sie
Georg's  Vater,  dem  Herzog  Albrecht  übertrug,  so  viel  Aufhebens
  gemacht  hatte  —  dem  Meißnischen  Hause  eintrug.
Herzog  Georg,  welcher,  von  seinem  wissenschaftlichen
Sinne  geleitet,  sich  seine  Universität  zu  Leipzig  sehr  am  Herzen
  liegen  ließ,  mußte  wohl  vorzugsweise  unter  den  deutschen
  Fürsten  aufmerksam  werden,  als  die  ersten,  anfangs
schüchternen  Strahlen  der  Reformation  sich  über  Deutschland's
  Gauen  verbreiteten.  Seine  Einsicht  war  durch  die
genossene  gelehrte  Bildung  zu  sehr  geklärt  worden,  als  daß
ihm  die  Mängel  und  Mißbräuche  der  romischen  Kirche  hätten
  entgehen  sollen,  und  Niemand  konnte,  wie  dies  auch
seine  Stellung  auf  den  Reichstagen  bewies,  ernstlicher  eine
Kicchenverbesserung  wünschen,  als  er.  E  hielt  auch  in  seinen
  Landen  die  Geistlichkeit  kurz  genug,  und  wie  wenig  er
gewohnt  war,  ihr  Willkührlichkeiten  nachzusehen  oder  sich
gar  Eingriffe  von  ihr  gefallen  zu  lassen,  konnte  man  am
besten  aus  der  entschiedenen  Sprache  abnehmen,  deren  er  sich

gegen  den  Merseburger  Bischof  bediente,  als  dieser  das  von
Georg  gewünschte  und  eifrig  betriebene  Religionsgespräch

lälg  zwischen  Luther  und  Eck  hintertreiben  wollte  und  zu  diesem