Georg  der  Baͤrtige.  219

Zwecke  ein  Verbot  dagegen  ergehen  ließ.  Georg  ließ  zornig
das  Verbot  von  den  Thoren  herabreißen  und  dem  Bischof
drohend  sagen,  daß  er  selbst,  wenn  die  roͤmischen  Geistlichen
auf  solche  Weise  das  Licht  zu  scheuen  fortfuͤhren,  die  Welt
von  ihrer  Ignoranz  und  Barbarei  unterrichten  wolle.  Ein
Fuͤrst  von  so  aufgeklaͤrten  und  festen  Gesinnungen,  als  welcher
  Georg  sich  kund  gab,  haͤtte,  bei  zweckmaͤßiger  Behandlung,
  gewiß  fuͤr  die  Reformation  gewonnen  werden  koͤnnen
und  wuͤrde,  sobald  er  sich  einmal  fuͤr  dieselbe  erklaͤrt  haͤtte,  bei
seiner  Geistesfestigkeit  und  seinem  weltlichen  Einflusse,  derselben
  gewiß  vom  entschiedensten  Nutzen  gewesen  seyn.  Aber
Georg,  ohngeachtet  der  ihm  nicht  abzusprechenden  Aufklärung,
  hing  doch  mit  einigen  Vorurtheilen  zusammen
und  war  so  innig  mit  denselben  verwachsen,  daß  er  vorsichtig
und  überlegt  behandelt  werden  mußte,  um  ihn  für  die  Sache
  einzunehmen.  Luther'n  jedoch  fehlte,  bei  seiner  Heftigkeit
und  Ungeduld,  die  rechte  Weise,  einen  Georg  zu  behandeln,
und,  einmal  für  die  Sache  verloren,  war  derselbe,  bei  seiner
freilich  übertriebenen  Beharrlichkeit,  nie  wieder  für  dieselbe
zu  gewinnen,  noch  derselben  zu  befreunden.  Zwar  hatte,
dem  Urtheil  der  Mehrzahl  nach,  in  seinem  Religionsgespräche
  Luther  den  Sieg  davongetragen;  dennoch  aber  hatte  er
nicht  Georg's  Meinung  für  sich,  und  dies  war  entscheidend
für  dessen  Gesinnungen.  Georg  wünschte,  mehr  im  Sinne
des  gelehrten  Erasmus  von  Rotterdam,  mit  welchem  er  hausig
  Briefe  wechselte,  eine  Reformation,  durch  welche,  ohne
die  Grundpfeiler  des  Katholicismus  umzustoßen,  die  Sittenverderbniß
  der  Geistlichkeit  verbannt  und  die  übertriebenen
Einnahmen  und  Bereicherungen  der  Kirche,  zum  Nachtheile
des  Staates,  abgeschafft  oder  vermindert  würden.  Luther
aber  ging  ihm  weiter,  er  griff  nach  Georg's  Meinung  Dinge
in  der  Religion  an,  welche,  ohne  Schaden  zu  bringen,  besser
so  gebliebsn  wären,  wie  sie  einmal  waren.  Dahin  mochte
Georg  auch  den  Umstand  rechnen,  daß  Luther  darauf
  bestand,  das  Abendmahl  in  beiderlei  Gestalt  zu  erhalten,
  welcher  Punkt,  wie  manche  andere  Behauptung  Luther's,
den  Herzeg  noch  obendrein  an  den  ihm  sehr  verhaßten  Huß