220  Georg  der  Baͤrtige.

erinnerte,  um  dessen  Todes  willen  Deutschland  so  furchtbare
Verwuͤstungen  hatte  ausstehen  muͤssen,  und  ihn  nun  doppelt
gegen  die  Reformation  einnahm,  die  er  uͤberhaupt  nicht
durch  einen  einzelnen  Mann,  sondern  durch  Gesammtheit,
ja  durch  Deutschland  selbst  auf  einem  allgemeinen  Concil
herbeigefuͤhrt  wissen  wollte.  Nachdem  er  solchergestalt  sich
einmal  gegen  die  Reformation,  wie  sie  war,  oder  besser  gegen
  das  Lutherthum  ausgesprochen  und  entschieden  hatte,
besaß  dieses  an  ihm  einen  eben  so  unwandelbaren  Gegner,
als  es,  wenn  es  seine  Meinung  fuͤr  sich  gewonnen  haͤtte,
einen  standhaften  Freund  und  Beschuͤtzer  an  ihm  gehabt
haben  würde.  Durch  die  übertriebenen  und  häufig  ungerechten
  Angriffe,  welche  der  rücksichtslos  heftige  Luther  gegen
  ihn  unternahm,  der  den  keinesweges  zelotischen,  geschweige
einen  Finsterer  zu  nennenden  Georg  unpassend  Apostolum
Diaboli  hieß,  wurde  derselbe  natürlich  in  seiner  Abneigung
gegen  die  Reformation  bestärkt  und  vielleicht  eben  erst  durch
sene  nicht  immer  anständigen  Diatriben  zu  den  spatern  harten
  Maßtregeln  gegen  Luther's  Anhänger  verleitet.  Keineswegs
  ist  Georg  zu  rechtfertigen,  daß  er  in  seinem  Verfahren
gegen  die  evangelisch  gesinnten  Einwohner  zu  weit  ging  und
sich  sogar  der  Tyranney  gegen  sie  schuldig  machte.  Er  untersagte
  die  Verbreitung  der  neuen  Lehre  in  seinen  Landen
unter  Androhung  der  härtesten  Strafen,  schränkte,  um  der
Reformation  auf  alle  Weise  den  Weg  zu  verschließen,  selbst
seine  Universitct  Leipzig,  auf  welche  er  doch  so  viel  hielt
und  der  er  gern  auf  jede  Weise  den  Vorrang  vor  der  jungen
  Wittenberger  erworben  hätte,  bedeutend  ein,  verwies
eine  große  Anzahl  seiner  Unterthanen,  welche  im  Verdachte
evangelischer  Gesinnungen  standen,  des  Landes  und  beraubte
Andere  ihrer  Güter.  Es  fielen  sogar  Hinrichtungen  vor.
Vielleicht  galt  diese  Härte  mehr  Luther'n  selbst,  als  seiner
Sache,  und  der  beleidigte  Herzog  suchte  jede  Frucht  des
kühnen  Mönches,  der  ihn  angetastet,  zu  vertilgen,  ja  selbst
dessen  Andenken  auszurotten,  indem  er  seiner  Lehre  einen
fortwährenden  Vernichtungskrieg  ankündigte.  Freilich  eine
Personalrache,  unter  welcher  ein  ganzes  Land,  ja  eine  ganze