Georg  der  Bärtige.  221

Zeit  zu  leiden  hatte.  Schwärmerische  Ungebührnisse,  wie
z.  B.  das  Treiben  der  Wiedertäufer,  der  Bilderstürmer,  und
der  damit  verbundene  Bauernkricg  —  gleichsam  die  Kindertollheiten
  der  noch  jungen  protestirenden  Zeit,  die  erst  im
längern  Verlaufe  sich  selbst  verstehen  lernen  und  ihre  eigne
Bedeutung  erfassen  konnte  —  brachte  Georg,  bei  seinem  einmal
  gegen  die  Sache  gefaßten  Vorurtheile,  ebenfalls  auf  unmittelbere
  Rechnung  der  Resormation  und  glaubte  nunmehr,
selbst  aus  staatsrechtlicher  Rücksicht  und  zu  Sicherstellung
der  Landerruhe,  zum  schärfsten  Verfahren  gegen  die  Reformation
  und  ihre  Anhänger  verpflichtet  zu  seyn.  Freilich
konnte  Georg  mit  diesen  seinen  Verfolgungen  nur  dem  Einzelnen
  wehethun;  gegen  die  Sache  selbst  waren  dies  Alles
doch  nur  Lufthiebe,  denn  trotz  seiner  weltlichen  Macht  beschäftigte
  er  doch  nur  einen,  im  Verhältniß  zum  Ganzen
kleinen  Kreis,  besonders  aber  nur  einen  abgemessenen  Zeitraum,
  über  dessen  Gränzen  hinaus  sein  Wirken  nicht  reichen
konnte.  Ja  sein  Feind,  der  Protestantismus,  sollte  ihm  noch
bei  Lebzeiten  sehr  nahe  rücken.  Sein  Bruder  Heinrich,  der,
mit  den  friesischen  Händeln  abgefunden,  in  Stille  und  Behaglichkeit
  über  das  ihm  zugefallene  kleine  Land,  bestehend
aus  den  Aemtern  Freiberg  und  Wolkenstein,  regierte  und
mit  der  churfürstlichen  Linie,  zu  welcher  Georg  in  ziemlich
gespannten  Verhältnissen  stand,  in  gutem  Vernehmen  lebte,
goͤnnte  auch  seiner  Gattin  Catharina  von  Meklenburg,  einer
durch  ihren  Geist  sich  freilich  Uber  ihn  erhebenden  Frau,  einen
  nicht  unbedeutenden  Einfluß.  Diese  hatte  fröhzeitig
evangelische  Luft  getrunken  und  unter  ihrem  Schutze  griff
in  Freiberg  die  Reformation  rasch  um  sich.  Der  von  Georg
um  evangelischer  Grundsötze  willen  vertriebene  Anton  von
Schdnberg  fand  an  Catharinen  eine  Beschützerin  und  Jüngerin,
und  man  beschloß,  mit  vereinten  Kraften  auf  Herzog  Heinrich
  loszuwirken,  um  auch  ihn  für  die  neue  Lehre  zu  stimmen.
  Er,  der  heitere  Weltmann,  dessen  Charakter  der  despotische
  Ernst  der  rdmischen  Kirche  nic  zugesagt  haben  mochte,
zeigte  keinen  großen  Widerstand;  nur  fürchtete  er  den  Zorn
seine5  Bruders  und  unternahm  daher  anfangs  keine  offenen