1537

1539

222  Georg  der  Baͤrtige.

Schritte,  obschon  er  selbst  der  neuen  Lehte  beitrat,  ihr
auch  in  seinen  Landen  sich  unter  Hand  auszubreiten  vergoͤnnte
  und  den  Einfluß  der  roͤmischen  Kirche  immer  mehr
verringerte.  Herzog  Georg  creiferte  sich  freilich  sehr  darüber
  und  that  sogar  vielfache  Schritte,  um,  da  er  selbst  keine
männlichen  Erben  hinterließ  —  er  hatte,  von  fünf  Söhnen
und  vier  Tochtern,  nur  eine  Tochter  und  einen  zur  Regierung
  untauglichen  blödsinnigen  Sohn  am  Leben  —  dem
Bruder  nur  unter  der  Bedingung  die  Erbfolge  zu  überlassen,
wenn  derselbe  wieder  zum  Katholicismus  zurückkehrte.  Vorzüglich
  sollten  Heinrich's  Söhne,  nach  Georg'ö  ausdrücklichem
  Verlangen,  bei  der  rômischen  Kirche  bleiben  und  in  der
Religionsverfassung  der  meißnischen  Lande  keine  Aenderung
zu  unternehmen  sich  verbindlich  machen,  im  Weigerungsfalle
aber  der  Kaiser  und  der  romische  Kdnig  Ferdinand  diese
Lande  in  Besitz  nehmen,  bis  diese  Bedingungen  erfällt  waͤ—
ren.  Er  wollte  dies  in  seinem  zu  errichtenden  Testamente
feststellen,  wozu  er  freilich,  in  Gemäßheit  des  Mastrichter
Vertrages,  durch  welchen  die  Erbfolge  bereits  ihre  gewissen
Bestimmungen  erfahren  hatte,  kein  Recht  mehr  besaß.  Schon
früher  hatte  er  gedroht,  seinem  Bruder  Heinrich  den  ausgesetzten
  Jahrgehalt  zu  entziehen,  aber  da  dieser  1537  dem
Schmalkaldischen  Bund  beitrat  und  von  diesem  Schuß,  erforderlichen
  Falles  auch  Schadloshaltung  erwarten  durfte,
so  fruchtete  diese  Drohung  nicht.  Eben  so  wenig  half  Georg's
  seltsamer  Versuch,  Heinrich  dadurch  von  der  Erbfolge
auszuschließen,  indem  er  seinem  einzigen  Sohn  Friedrich  eine
Frau  gab  und  von  ihm  männliche  Erben  verhoffte.  Der  arme
Friedrich  erfreute  sich  nur  wenige  Wochen  des  Ehestandes
und  starb  im  Februar  1539,  ohne  den  Stamm  gerettet  zu
haben.  Selbst  zu  Vollziehung  des  schon  erwähnten  Testamentes,
  auf  welches  Georg  seine  letzte  Hoffnung  sectzke,  sollte
es  nicht  kommen;  denn  am  17.  April  1539,  noch  nicht  drei
Monate  nach  seinem  Sohne  Friedrich,  übereilte  ihn  zu  Dresden
  selbst  der  Tod  im  68.  Lebensjahre,  und  er  war  der
letzte  der  Meißnischen  Herzoge,  der  nach  Meißen  begraben
wurde.  Den  Beinamen  des  Bärtigen  führte  er,  weil  er