Georg  der  Baͤrtige.  223

nach  dem  Tode  seiner  Gemahlin  Barbara,  einer  Tochter  des
Koͤnigs  Kasimir  von  Polen,  sich  zum  Zeichen  bestaͤndiger
Trauer  seinen  Bart  wachsen  ließ.  In  ihm  verlor  die  roͤmische
  Kirche  ihren  festesten  Stamm.  Es  ist  wahrhaft  zu  beklagen,
  daß  ein  Fürst  von  so  guten  Eigenschaften,  wie  Georg,
  seine  bessere  Ueberzeugung  groͤßtentheils  einem  indivis
duellen  Vorurtheile,  nämlich  seiner  personlichen  Abneigung
gegen  Luther  aufopferte,  und  daß  dadurch  sein  Leben,  das
anfangs  so  freudige  Hoffnungen  gab,  verfehlt  und  zwecklos
wurde.  Seinc  Macht,  wie  auch  seine  ursprünglich  guten
Ansichten  hätten  ihn  bestimmt,  der  muthigste  und  glücklichste
Vorkämpfer  seiner  Zeit  zu  werden.  Die  Geschichte  mag  ihn
beweinen,  daß  er,  von  hartnäckigem  Widerwillen  gegen  Einzelheiten
  geleitet,  sich  gegen  das  Ganze  verschwor,  sich  zum
Unterdrücker  einer  Sache  aufwarf,  zu  deren  Schirm  er  geboren
  war,  und  so  den  schdnen  Zweck  verfehlte,  der  als
Keim  in  ihm  selbst  und  in  seinem  Schicksale  lag.  Aber  dennoch
  darf  man  das  blinde  Verdammungsurtheil,  welches  seine
Feinde,  unter  ihnen  Luther,  über  Georg  aussprechen,  niche
unterschreiben.  Bei  dem  großen  Irrthume,  welcher  sein  Leben
  bezeichnet,  treten  doch  auch  Lichtseiten  in  demselben  hervor,
  besonders:  Beharrlichkeit  und  Treue.  Sein  Gemüth
war  auch  für  sanftere  Regungen  empfänglich,  und  nur  seinem
Haße  gegenüber,  erscheint  er  hart  und  rücksichtslos.  Selbst
gegen  seine  Feinde  verschmähte  er  es,  sich  kleinlicher  Mittel
zu  bedienen,  und  er  soll  —  sich  rühmlichst  von  der  Gewissenlosigkeit
  lossagend,  welche  die  rèmische  Kirche  gegen  Ketzer
damals  gestattete  und  uͤbte  —  mit  tiefer  Empoͤrung  sich  dagegen
  ausgesprochen  haben,  als  einige  katholische  Herren  den
Kaiser  bereden  wollten,  das  Luther'n,  als  einem  Ketzer,  gegen
  welchen  weder  Treue  noch  Glaube  zu  beobachten,  versprochene
  freie  Geleite  nicht  zu  halten.  Georg's  schweres
haͤusliches  Ungluͤck  —  der  Verlust  seiner  Gattin,  wie  beinahe
  aller  seiner  Kinder  und  das  traurige  Schicksal  der  leben
  gebliebenen  —  mochte  wohl  auch  noch  beitragen,  seine
Seele  zu  verfinstern  und  eine  Härte  über  sein  Leben  zu
verbreiten.  Sterbend  schien  er  noch  eine  bestimmtere  Ahnung