224  Heinrich  der  Fromme.

des  neuen  Glaubenslichtes  mit  hinuͤber  zu  nehmen.  Sein
Ende  war  christlich  und  versöhnend  und  neigt  sich,  wie  eine
milde  Abendröthe,  über  sein  von  düstern  Wolken  und  zuckenden
  Zwielichtern  durchkreuztes  Leben,  welches  durch  trübe
Mißverständnisse  anders  hervorgetreten  war,  als  es  ursprünglich
  in  ihm  lag  und  sich  der  Welt  zeigen  sollte.  Kurz
vor  ihm  war  auch  Hugo,  Burggraf  zu  Leißnig  und  Besitzer
  der  Herrschaft  Penig,  als  der  Letzte  seines  Geschlechtes
zu  Grabe  gegangen.  Die  Burggrafen  von  Leißnig,  wahrscheinlich
  Abkbômmlinge  der  alten  Burggrafen  zu  Altenburg,
nicht  aber,  wie  man  ebenfalls  geglaubt  hat,  des  alten  sächsischen
  Helden,  Graf  Wiprecht's  von  Groitsch,  waren  Vasallen
  der  Meißner  Markgrafen;  demzufolge  nach  Hugo's
unbeerbtem  Tode,  seine  Besitzungen  an  den  Herzog  zurückfielen,
  zumal  seine  hinterlassene  Gattin  die  als  Leibgedinge
ihr  ausgesetzte  Halfte  der  Herrschaft  von  Penig  dem  Herzog
  ebenfalls  um  eine  bestimmte  Summe  überließ.
Ohngeachtet  der  ihm  zugedachten  Schwierigkeiten  übernahm
  Heinrich,  sogleich  nach  seines  Bruders  Georg  Tode,
die  Regierung.  Er  war  von  jeher  mehr  ein  vergnägter  und
behaglicher  Freund  des  Lebens,  als  weltlicher  Sorgen  gewesen
und  ließ  sich's  daher  auch  als  regierender  Herr  so  ziemlich
wohl  gehen.  Der  so  innig  evangelische  Churfürst  Johann
Friedrich  übte  einen  großen  Einfluß  auf  Heinrich  aus  und
wußte  die  Reformation  in  dessen  Landen  kräftigst  zu  fordern.
Sie  fand,  außer  dem  größten  Theile  der  Geistlichkeit  und
der  Mehrzahl  des  Adels,  unter  dem  Volke  in  Meißen  bereits
  sich  tüchtig  vorgearbeitet  und  ward  mit  großer  Bereitwilligkeit
  ausgenommen.  Die  Heiligen  wurden  in  ihrer  Verehrung
  immer  mehr  gekürzt,  die  katholischen  Gebräuche  immer
  mehr  entfernt  und  das  ganze  kirchliche  Formenwesen
bildete  sich,  in  schneller  Vereinfachung,  auch  schnell  der  Reformation
  zu.  Die  große  allgemeine  Kirchenvisitarion,  welche
  schon  im  Juni  1539  begann,  vollendete  das  Werk,  die
Kloster  wurden  zwar  —  da  man  mit  löblicher  Vorsicht  zu
Werke  ging  und  wohl  wußte,  daß,  wenn  man  nur  den
Grund  gut  untergrabe,  das  alte  Gebaude  schon  von  selbst