Herzog  Moritz.  227

Juͤnglings  zu  beherrschen  gedachte.  Diese  Abttetung  sollte
zugleich  Heinrich's  letzte  weltliche  Handlung  seyn,  denn  er
segnete  schon  eilf  Tage  spaͤter  (18.  August)  das  Zeitliche.
Er  starb  im  69  Jahte  seines  Alters  zu  Dresden  und  ward
nach  Freiberg  begraben,  für  welches  er  stets  eine  entschiedene
  Vorliebe  gehabt  hatte.  Obschon  seine  Indioidualität
wie  auch  sein  Fürstenleben  sich  in  kleinen  Kreisen  bewegten
und  von  keinen  großen  Eigenschaften  und  Ereignissen  geschmückt
  wurden,  so  hat  ihn  doch  seine  Annahme  der  Lutherischen
  Lehre,  wodurch  die  Reformation  in  die  meißnischsächsischen
  Lande,  (wo  sie  kaum  einige  Jahre  vorher  an  Georg
einen  so  beharrlichen  Gegner  und  Unterdrücker  fand)  Eingang
erhielt  und  wodurch  der  neuen  Lehre  ihr  wichtigster  und  glücklichster
  Streiter,  nämlich  Heinrich's  Sohn,  Moritz,  erworben
ward,  unserer  Erinnerung  wie  unsers  Dankes  würdig  gemacht
und  die  Geschichte  verdankt  ihm  einen  folgenreichen  Umschwung.
Ob  der  lebenslustige,  joviale  Heinrich  —  den  gewissermaßen
  eine  gutmüthige  Bequemlichkeit  für  die  Einfachheit  der
evangelischen  Lehre  einnahm  —  sich  für  den  Beinamen  des
Frommen  eignete,  welchen  die  Erkenntlichkeit  der  Protestanten
  ihm  rücksichtlich  seiner  heilsamen  Einwirkung  auf  die
Reformation  in  Sachsen  beigelegt  hat,  sey  dahin  gestellt.
Vielleicht  dürfte  sich  Heinrich  gerade  auf  dieses  Prädicat  die
wenigste  Rechnung  gemacht  haben;  doch  er  ging  als  ein
leutseliger,  heiterer  und  redlicher  Mann  zu  Grabe,  und  so
mag,  im  ausgedehnteren  Sinne,  ihm  schon  der  Beinamen  des
Frommen  gebühren.  Von  seiner  Gemahlin  Katharina,  welche
im  Leben  einen  ersprießlichen  Einfluß  auf  ihn  gehabt  hatte
und  die  ihn  um  zwanzig  Jahre  überlebte,  hinterließ  er,  nebst
drei  Töchtern,  die  beiden  Söhne  Moritz  und  August,  welche
ihm  nach  einander  in  der  Regierung  folgten.

Es  war  cine  große  verhängnißvolle  Zeit,  die  Herzog  Heinrich'é
  Grab  zu  ihrer  Wiege  wählte  und  unmittelbar  über
seinem  Sarge  aufstieg;  denn  in  seinem  Sohne  Moritz  tritt
der  merkwürdigste  Fürst  aus  der  Albertinischen  Linie,  ja  der
bedeutungsreichste  Held  Sachsens  überhaupt,  auf  die  Schaubühne
  der  Weltgeschichte.  Sein  Leben,  welchem  ein  so  frü-15

  *