228  Herzog  Moritz.

hes  Ziel  gesetzt  war,  gleicht  einer  Kette,  welche,  von  kurzer
Laͤnge,  aber  aus  dichten  und  gewaltigen  Gliedern  bestehend,
zwei  aus  einander  strebende  Zeiten  maͤchtig  zusammenhaͤlt;
denn  er  erkämpfte  in  kurzem,  jaͤhen  Streite  und  mit  schnellem
  Siege  den  kühnsten  Uebergang  für  unsern  Glauben.  —

Am  21.  März  1521  erblickte  Moritz  zu  Freiberg  das  Licht
der  Welt.  Seine  Jugend,  in  verschiedenen  und  sehr  abweichenden
  Kreisen  umhergeworfen,  mußte  frühzeitig  einen
Reichthum  des  Lebens  in  sich  aufnehmen.  Wenn  der  kleine
Hof  seines  Vaters,  der  übrigens  dem  feurigen  Knaben  schlecht
genügte,  und  der  Einfluß,  welchen  dort  seine  geistvolle  Mutter
auf  ihn  übte,  wenigstens  dazu  diente,  seinen  Geist  zu  entwickeln
  und  die  ersten  Strahlen  der  Reformation  mit  unvergänglicher
  Wirkung  in  sein  junges  Herz  zu  werfen,  vielleicht
auch  die  von  mütterlicher  Seite  auf  ihn  vererbten  Anlagen
zu  Eigenwillen  und  Herrsucht  in  ihm  auszubilden,  so  mochte
der  uppige,  glänzende  und  nicht  eben  sittliche  Hof  des  Churfürsten
  Albrecht  von  Mainz,  bei  welchem  er  später  einige
Zeit  zubrachte,  wiederum  ihn  mit  dem,  ihm  eigenen  Sinne
zu  weltlichem  Genuße  und  zu  dußerem  Glanze  erfüllen,  während
  sein  nachmaliger  Umgang  mit  seinem  Vetter,  Georg
von  Sachsen,  ihm  Etwas  von  dessen  festem  Willen  voerleihen
  mochte.  Es  mußten  viele  für  Moritz  günstig  zusammenwirkende
  Umstände  vorausgehen,  um  ihn  auf  den  Platz
zu  erheben,  auf  welchem  wir  ihn  später  erblicken,  und  nicht
nur  Muth  und  Tapferkeit,  sondern  auch  List,  Verschlagenheit,
  ja  viellcicht  noch  mehr:  Pflicht  und  Gewissen  mußte  daran
  gesetzt  werden,  um  eine  so  schnelle  und  glänzende  Laufbahn
  zu  gewinnen,  wie  Moritz.  Der  junge  Fürst  trat,  sobald
  er  zur  Regierung  gekommen  war,  sogleich  mit  vieler
Energie  auf  und  zeigte  eine  Selbstständigkeit,  welche  sich
neben  dem  Andenken  an  seinen,  von  Gattin,  Räthen  und
endlich  von  dem  Schmalkaldischen  Bunde  gegängelten  Vater
um  so  glänzender  hervorhebt.  Diese  übertriebene  Anhänglichkeit,
  welche  sein  Vater  gegen  den  schmalkaldischen  Bund
gehegt  hatte,  schien  Moritz  mit  einer  gewissen  Bitterkeit  gegen
  den  letzteren  erfüllt  zu  haben  und,  obschon  er  demfselben