Herzog  Moritz.  229

mit  seinem  Vater  zugleich  beigetreten  war,  so  sagte  er  sich
doch  spaͤter  ziemlich  deutlich  davon  los.  Das  Lockere,  Unzusammenhaͤngende
  dieses  durch  zwei  Oberhaͤupter  von  so
verschiedener  Gemuͤthsart,  wie  Johann  Friedrich  von  Sachsen
und  Philipp  von  Hessen,  geleiteten  Bundes,  und  die  Unsi—-cherheit,
  womit  derselbe  meist  auftrat,  konnte  Moritz  unmoͤglich
  dafuͤr  einnehmen.  Er  war  ein  Feind  innerer  Halbheit
und  wollte  nur  einer  Sache  vorstehen,  die  mit  Bestimmtheit
und  Kraft  ihr  Ziel  verfolge.  Der  Geist,  in  welchem  sein
Vater  regiert  hatte,  oder  regieren  hatte  lassen,  sagte  ihm
nicht  zu,  daher  schritt  er  gleich  anfangs  zu  bedeutenden  Aenderungen,
  die  theilweis  sehr  zum  Nachtheile  der  Räthe  und
Begünstigten  seines  Vaters  ausschlugen,  und  so  wußte
der  junge  Fürst  sich  überraschend  schnell  von  allen  Einflüssen
frei  zu  machen,  selbst  von  dem  seiner  Mutter.  Er  ließ  das
Testament  seines  Vaters  neun  Jahre  lang  (bis  1550)  unerdffnet
  liegen,  weil  er  Ursache  hatte  zu  glauben,  daß  sein
Vater  darin  eine  Doppelregierung,  oder  vielmehr  eine  Ländertheilung
  zwischen  ihm  und  seinem  Bruder  August  anbefehle,
  in  welche  Moritz,  nach  dem  Vertrage  von  Mastricht,
zu  willigen  weder  verbunden  noch  gesonnen  war.  Doch
zeigte  er  sich  in  anderer  Hinsicht  gegen  seinen  Bruder  August
  nicht  karg,  sondern  überließ  ihm  eine  bedeutende  Anzahl
von  Städten  und  Aemtern,  deren  jährkiches  Einbringen  auf
40,000  Gulden  geschätzt  werden  konnte.  Mit  seinem  Vetter
Johann  Friedrich,  der  daher,  daß  Moritz  sich  so  sichtlich
  von  dem  schmalkaldener  Bunde  zurückzog  und  demselben
  mit  einem  Male  jedem  Einfluß  abschnitt,  wohl  eine
Bitterkeit  gegen  ihn  gefaßt  haben  mochte,  blieb  er  nicht  lange
in  gutem  Vernehmen,  und  als  Fener,  wie  wir  schon  weiter
oben  gehoͤrt  haben,  wegen  verweigerter  Türkensteuer  die  unter
  beiderseitigem  Schutze  stehende  Stiftöstadt  Wurzen  mit
gewaffneter  Hand  einnahm,  zègerte  Moritz  keinen  Augenblick,
dem  Churfürsten  feindselig  entgegenzueilen,  so  daß  dieser
„Fladenkrieg“  wohl  ernsthafter  abgelaufen  wäre,  hätte  Philipp
  von  Hessen  nicht  noch  zu  rechter  Zeit  sich  zum  Vermittler
  aufgeworfen  und  eine  Versdhnung  bewerkstelligt.  Das

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