230  Herzog  Meritz.

mochte  wohl  dem  Churfürsten,  wie  den  Schmalkaldenern  überhaupt
  schon  ein  wenig  die  Augen  über  Moritz  oͤffnen.  Noch
in  demselben  Jahre  schloß  sich  Moritz  mit  einigen  seiner  auserwählten
  Truppen  dem  Zuge  nach  Ungarn  an,  welcher  dieses
  Land  von  den  Türken  befreien  sollte.  Er  legte  hier  überzeugende
  Proben  seines  Muthes  und  seiner  Tapferkeit  ab,
doch  wäre  er  beinahe  ein  Opfer  derselben  geworden,  denn
bei  einem  Gefechte  mit  den  Türken,  wurde  er  von  einem
Hinterhalte  überfallen  und  umzingelt.  Sein  Pferd  stuͤrzte
mit  ihm,  und  schon  blitzten  die  krummen  Söbel  der  Feinde
über  seinem  Haupte,  als  ein  Edelknecht,  Sebastian  von  Reibisch,
  der  Einzige,  welcher  in  diesem  gefahrvollen  Augenblicke
ihm  zur  Seite  war,  sich  über  ihn  bin  warf  und  mit  seinem
Körper  die  Stiche  und  Hiebe  auffing,  welche  dem  Fürsten
galten.  Der  Wackere  ward  ein  Opfer  seiner  Treue,  hatte
aber  durch  seinen  edelmüthigen  Tod  den  Beglestern  des  Herzogs
  Zeit  gewonnen,  sich  durch  den  Türkenhaufen  hindurch
Bahn  bis  zu  ihrem  Herrn  zu  brechen  und  ihn  der  dringen-1513
  den  Lebensgefahr  glöcklich  zu  entreißen.  In  den  beiden  fol-U#
  genden  Jahren  zog  er  dem  Kaiser  mit  Hilfstruppen  gegen
Frankreich  zu.  Schon  von  da  an  mochte  zwischen  ihm  und
dem  Kaiser  sich  ein  gewisses  Einverständniß  bilden;  er  gewann
  durch  seine  Anhänglichkeit,  deren  Motive  anfangs  vielleicht
  selbst  der  schlaue  Carl  V.  nicht  ganz  durchschaute,  die
Gunst  des  Kaisers  und  befestigte  sich  darin  in  dem  Grade,
in  welchem  er  demselben  immer  unentbehrlicher  ward.  Man
darf  ihm,  der  mit  so  verschlossener,  endlich  alle  Rücksichten
verldugnender  Beharrlichkeit  seine  Plane  zu  verfolgen  pflegte,
und  an  Verwirklichung  von  Lieblingswünschen  Alles,  ja  selbst
seinen  Ruf  vor  der  Welt  setzte,  wohl  die  Aeußerung  zutrauen,
daß  er  eher  seinen  Vater,  als  den  Kaiser  verlassen  würde,
wie  wenig  er  auch  —  da  diese  Anhänglichkeit  bei  ihm  nur
auf  politischen,  nicht  auf  moralischen  Gründen  fußte  —  später
  von  diesem  Grundsatze  sich  leiten  ließ.  Die  weit  ausgreifenden
  Plane  für  die  Zukunft,  welche  in  dem  festverschlossenen
  Busen  des  unruhigen  fürstlichen  Jünglings  heimlich
gohren  und  sich  regten,  zogen  ihn  indessen  keinesweges  von