Herzog  Moritz.  231

der  Gegenwart  und  von  der  Sorgsamkeit  fuͤr  das  innere
Wohl  seiner  Laͤnder  ab.  Namentlich  trieb  ihn  sein  kriegerischer
  Sinn,  vielleicht  im  Vorgefuͤhle  naher  Stuͤrme,  seine
Laͤnder  nach  aussen  zu  sichern,  und  da  es  darin  an  festen
Plaͤtzen  fehlte,  so  ließ  er  mehrere  Städte,  wie  Leipzig,  Dresden
  und  Pirna,  gut  befestigen.  Der  Reformation  und  der
vorschreitenden  sittlichen  Ausbildung  wußte  er  in  seinen  Ländern
  dadurch  bedeutenden  Vorschub  zu  leisten,  daß  er  außerordentlich
  viel  für  Vermehrung  und  Verbesserung  der  Schulen
that.  Ohne  durch  die  von  ihm  in  seinen  Landen  veranlaßte
  Einziehung  von  Kirchengütern  sich  selbst  zu  bereichern,
verwendete  er  die  daraus  geldsten  Summen  und  Einkünfte  zu
Gründung  dreier  Landesschulen  zu  Meißen,  Pforte  und  Merseburg,
  deren  letztere  später  (1550)  nach  Grimma  verlegt
wurde.  Diese  ruhmwürdigen  Stiftungen  geschahen  hauptsächlich
  auf  Veranlassung  der  beiden  herzoglichen  Räthe,  Ernst
von  Miltitz  und  Dr.  Georg  von  Kommerstadt.  Ebenfalls  aus
dem  Ertrage  der  Kirchengüter  wurden  der  Universität  Leipzig
bedeutende  Zuschüsse  ertheilt,  sie  erhielt  das  Paulinerkloster
mit  allen  Gebäuden  und  Bibliotheken,  nebst  den  sogenannten
  fünf  neuen  Dorfschaften,  2000  Gulden  wurden  als  fährlicher
  Beischuß  dem  Gehalte  der  Universitätslehrer  zugelegt,
eine  Anzahl  Stipendien  und  Freitische  für  unbemittelte  Studirende,
  wurden  veranstaltet,  und  selbst  in  dem  innern  Wesen
  der  Universitt,  namentlich  in  dem  Vortrage  der  theologischen
  und  philosophischen  Wissenschaften,  manche  nützliche
Verbesserung  getroffen  und  durch  herbeigerufene  neue,  den

Sinn  ihrer  Zeit  besser  erkennende  Lehrer  befestigt.  An  der-Spitze

  dieser  Universitctsreform  standen  Männer,  wie  Philipp
  Melanchthon  und  Joachim  Camerarius.  Wenn  auch
diese  nützlichen  Einrichtungen  nicht  unmittelbar  von  Moritz
—  dessen  Mangel  an  gelehrter  Bildung  ihn  zu  solchen  Dingen
  ungceignet  machte  —  ausgehen  konnten,  sondern  fremder
Ausführung  bedurften,  so  liegt  doch  schon  in  der  Bereitwilligkeit,
  mit  welcher  er  diese  Reformen  gestattete  und  die  Mittel
  dazu  hergab,  eine  Bürgschaft,  wie  sehr  er  Kunst  und
Wissenschaft  zu  schätzen  wußte  und  wie  ihm,  wenn  auch

1513