Moritz  und  die  Reformation.  239

verheimlichen,  und  Deutschland  erschreckt  in  seine  Entwuͤrfe
blicken  durfte.  Die  Zeit,  wo  die  Siege,  welche  Moritz,  gegen
  Pflicht  und  Gewissensruͤcksichten  den  Kaiser  hatte  erkaͤmpfen
  helfen,  Deutschlands  Freiheit  binnen  kurzem  für
immer  zu  untergraben  drohten,  scheint  denselben  mit  lebhafter
  inneren  Unruhe  erfüllt  zu  haben.  Gegen  ihn  kehrte
sich  die  große  Anklage  Deutschlands,  er  hatte  die  Freunde
seines  Glaubens  aufgegeben  und  gestürzt  und  dem  herrschund
  ränkesächtigen  Kaiser  dadurch  zu  einer  Gewalt  verholfen,
  die  demselben  nunmehr  Alles,  auch  das  Schlimmsste  zu
unternehmen  gestattete.  Die  schlimme  Frucht,  welche  hauptsöchlich
  er  genährt  hatte,  drohte  ihn  selbst,  seinen  Glauben
und  seine  Länder  mit  Unheil  zu  erfüllen.  Mit  qucklendem
Selbstvorwurse  sah  er  der  nächsten  Zukunft  entgegen  und
erschrak  vor  dem  Abgrunde,  den  er  selbst  gedffnet  hatte  und
der  nun  auch  ihn  mit  zu  verschlingen  drohte.  Ueberdies
hatte  der  Kaiser  ihn  getäuscht,  indem  er  Moritz's  Schwiegervater,
  den  Landgrafen  Philipp  von  Hessen,  für  dessen
Freiheit  er  sich  verbürgt,  seinem  Versprechen  zuwider  noch
immer  gefangen  hielt  und  sogar,  nachdem  derselbe  einen  Versuch
  zur  Flucht  unternommen,  in  noch  strengerer  Haft  hielt.
Philipps  Sohne  gedachten  sich  nunmehr  ernsthafter  an  Moritz,
  der,  als  der  Landgraf  sich  dem  Kaiser  ergab,  ihm,  vom
Bischof  von  Arras  getauscht,  seine  Freiheit  zugesichert  hatte,
zu  halten  und  forderten  ihn  deshalb  durch  offentlichen  Anschlag
an  den  Dresdner  Kirchthüren  zum  Einlager  auf.  Dieser
Umstand  und  das  Schicksal  seines  Schwiegervaters  mochten
enddlich  entschiedener  noch,  als  die  Sache  des  gesammten
Deutschlands,  Moritz  zu  einem  Entschlusse  bringen.  Durch
List  wollte  er  wieder  gut  machen,  was  er  einst  durch  List
übel  gemacht  hatte,  und  gewiß  war  sie  diesmal  an  ihrem
Orte,  denn,  einem  Carl  V.  gegenüber,  wäre  offene  Gewalt,
ohne  gehdrige  Vorbereitung,  Wahnsinn  gewesen.  Der  schlaue
Carl  wurde  endlich  in  seinen  eignen  Netzen  gefangen  und  der
Nimbus  der  Unfehlbarkeit,  wie  der  Unbessegbarkeit,  welcher
seit  lange  sein  Haupt  umleuchtet  hatte,  sollte  mit  überra-