240  Moritz  und  die  Reformation.

schender  Eile  von  ihm  abfallen  und  fortan  fuͤr  immer  ihm
untreu  werden.

1550  Der  Kaiser  hatte  auf  den  4.  Juni  1550  einen  zweiten
Reichötag  nach  Augsburg  ausgeschrieben,  mit  dem  ausdrücklichen
  Verlangen,  daß  sich  die  Fürsten  und  Stände,  mit
Ausnahme  derer,  welche  durch  Krankheit  abgehalten,  in  Person
  einfinden  mochten.  Demohngeachtet  beschickte,  zu  seinem
  großen  Mißvergnügen,  ein  großer  Theil  derselben  diesen
Reichstag  durch  Abgeordnete.  Er  wöünschte  besonders  zu  ermittelh,
  inwiesern  das  Concilium  in  Trident  weiter  zu  betreiben,
  dem  Interim  nachzukommen,  die  Widerseßlichen  zu
züchtigen  und  alles,  die  Geistlichkeit  und  geistliche  Güter  Betreffende
  wieder  in  den  vorigen  Stand  zu  versetzen  sey?  Die
Puncte  wegen  des  Concils  und  des  Interim's  erregten,  wie
so  oft  schon,  auch  diesmal  lebhafte  Differenzen.  Die  Protestanten
  bezogen  sich  wiederum  auf  ihre  Erklärungen,  die
sie  bereits  auf  frühern  Reichstagen  in  diesem  Betreff  von  sich
gegeben  hatten.  Besonders  bestand  man,  im  Fall  es  zu
einem  Concil  käme,  darauf,  daß  der  Pabst  nicht  als  Richter
in  einer  ihn  selbst  betreffenden  Angelegenhest,  sondern  ebenfalls
  nur  als  Partei  erscheine,  und  die  evangelische  Geistlichkeit
  eben  so  gut  ihre  Stimme  habe,  als  die  katholische.
Weniger  entgegen  konnte  man  dem  Kaiser  wegen  Bestrafung
der  Widersetzlichen  seyn,  und  so  wurde  denn  beschlossen,  an
der  Schmalkaldischen  Bundesstadt  Magdeburg,  welche  durch
kecke  Beharrlichkeit  den  Zorn  des  Kaisers  am  meisten  auf
sich  geladen  hatte,  die  Acht  zu  vollziehen.  Morit  hatte  sich
mit  seiner  Meinung  über  das  Concil  dem  Kaiser  ziemlich
nachgiebig  gezeigt,  und  auch  sonst  sich  dessen  Gunst  zu  erhalten
  gewußt,  so  daß  derselbe  ihm,  wie  er  gewünscht,  die  Vollziehung
  der  Acht  gegen  Magdeburg  auftrug  und  ihn  zu  diesem
Zweck  hinreichend  mit  Geld  und  Truppen  versah,  deren  Moritz
  zu  seinem  vorhabenden  kühnen  Unternehmen  bedurfte,  da  seine
Stände  ihm  eine  solche  Unterstützung  vorenthlelten.  Im  November
1550  fing  er  an  Magdeburg  zu  belagern,  betrieb  jedoch  die
Belagerung  mit  so  vieler  Saumseligkeit,  daß  die  Städter
sich  Glück  wünschen  mochten,  einen  so  gelinden  Feind  bekom-