Moritz  und  die  Reformation.  241

men  zu  haben.  Moritz  gedachte  auch  weder  sehr  rasch  noch
sehr  streng  gegen  die  Stadt  zu  verfahren,  sondern  sich  die—
selbe  fuͤr  dringende  Faͤlle  zu  einem  festen  Standorte  aufzubewahren.
  Er  benutzte  die  Zeit,  um  insgeheim  ein  enges
Buͤndniß  mit  seinem  Schwager,  Wilhelm  von  Hessen,  dem
Sohne  des  gefangenen  Landgrafen,  und  mit  dem  Markgraf
Albrecht  von  Brandenburg  =  Culmbach  einzugehen.  Ja  man
war  kühn  genug,  den  alten  Nebenbuhler  des  Kaisers,  Frankreich,
  über  welches  damals  Heinrich  II.  herrschte,  zu  diesem
Bunde  zu  ziehen,  und  damit  aus  dieser  Vereinigung  mit  dem
Ausländer  gegen  den  deutschen  Kaiser  keine  Gefahr  für
Deutschland  selbst  erwüchse,  hatte  Moritz  dem  König  von
Frankreich,  für  seine  Beihülfe  und  seinen  Schutz,  ausdrücklich
  nur  die  Besitznahme  jener  Städte  zugestanden,  welche
nicht  deutscher  Zunge  wären.  Damit  waren  die  Städte,
Metz,  Toul,  Cambray  und  Verdun  gemeint.  Ausserdem
machte  man  dem  Kbnige  sogar  Hoffnung  auf  die  deutsche
Kaiserwürde,  woran  derselbe  um  so  leichter  glaubte,  da  dieselbe
  schon  das  lockende  Siel  mehrerer  französischen  Könige
gewesen  war.  Während  Moritz  so  im  Stillen  wirkte  und
unermüdlich  Kräfte  für  seinen  Plan  sammelte,  den  er  selbst
dem  Verdachte  gegenüber,  dennoch  mit  vieler  Schlauheit  zu
verbergen  wußte,  war  Magdeburg  mehr  durch  geheime  Verhandlungen,
  als  durch  ausseren  Belagerungszwang  so  weit
gebracht  worden,  daß  man  es,  jenachdem  Moritz  dies  für
nöthig  erachtet  hätte,  zu  jeder  Stunde  zur  Uebergabe  bringen
  konnte.  Dies  mußte  denn  auch,  um  den  schon  wachsenden
  Verdacht  nicht  zu  zeitig  zu  rechtfertigen,  endlich  geschehen,
  und  so  capitulirte  nach  einer  einjaährigen  Belagerung,
im  Novbr.  1551  Magdeburg  auf  ausserordentlich  leichte  Be=  1z51
dingungen,  welche  Moritz  der  Stadt  zugestand.  Er  bewilligte
  ihr  alle  frühere  Vorrechte,  gestattete  ihr  sogar,  ihre
Festungswerke  beizubehalten,  die  er  sich  —  obschon  der  Kaiser
  sie  zerstoͤrt  wissen  wollte  —  heimlich  zu  einem  Waffenplatze
ausersehen  hatte  und  ließ  sich  in  seinem  und  des  Kaisers
Namen  huldigen.  Der  Kaiser  hatte  an  dieser  gelinden  Capitulation

  wenig  Freude  und  gab  dies  Moritz  zu  verstehen.
VI.  Heft.  16