1552

242  Moritz  und  die  Refermation.

Aber  dieser  schützte  einige  Gründe  vor,  und  die  Sache  beruhte
  auf  sich.  Zum  Gläck  hatte  der  Kaiser  zu  wenig  Achtung
  für  die  deutsche  Klugheit,  und  war  daher  derjenige,  welcher
  in  seinem  Verdachte  am  langsamsten  sich  zeigte.  Mit
der  Beschickung  des  tridentischen  Concils  wußte  ihn  Moritz
auch  schlau  hinzuhalten  und  durch  Umständlichkeiten,  die  sonst
nicht  Moritz's  Sache  waren,  und  gesuchte  Hindernisse  die
Sache  hinauszuschieben.  Der  entscheidende  Schlag  aber
näherte  sich  immer  mehr.  Moritz  betrieb,  unverlockt  von  seinem
  sugendlichen  Feuergeiste,  sein  Vorhaben  mit  so  vieler
Ruhe  und  Besonnenheit  und  wußte  sebr  richtig  den  günstigen
  Moment  weder  zu  Uberellen,  noch  zu  verzögern,  daß  sowohl
  Vorbereitung  als  Ausführung  ihm  zum  wahren  Ruhme
gereichen.  Seine  Stände  zagten  vor  einem  Schritte  gegen
den  Kaiser  und  suchten  daher  Moritz  auf  alle  Weise  davon
abzureden;  er  sah  sich  aus  diesem  Grunde  genêthigt,  auch
sie  im  Dunkeln  über  seine  wirklichen  Absichten  zu  lassen  und
erkldrte  ihnen  im  März  1552  zu  Torgau,  daß  er  sich,  seinem
Versprechen  getreu,  für  den  gefangenen  Philipp  von  Hessen
zum  Einlager  stellen  müsse.  Noch  im  nämlichen  Monate  brach
er  mit  seinen  Truppen  —  die  er,  nach  der  Uebergabe  Magdeburgs,
  wohlweislich  nicht  wieder  entlassen  hatte  —  von  Thäringen
  auf,  zog  die  hessischen  und  Brandenburgisch  =  Culmbachischen
Truppen  an  sich,  und  so  ging  es,  nachdem  die  Verbündeten,
wie  das  Manifest  sagte,  einmal  Herz  und  Mannheit  geschbpfet,“
  in  Eilmärschen  vorwärts,  um  „im  Namen  Gottes  und
mit  Heereskraft  und  gewaltiger  Hand  die  Erledigung  des
Landgrafen  und  des  gefangenen  Herzogs  Johann  Friedrich
zu  suchen,  das  beschwerliche  Joch  des  vorgestellten  viehischen
Servituts  und  ODienstbarkeit  von  sich  zu  werfen,  und  die
alte  löbliche  Freiheit  ihres  geliebten  Vaterlandes  der  deutschen
  Nation  acerrime  zu  vindiciren  und  zu  errekten.“  Zu
Ende  des  Monats  hatten  sie  mit  ihrem  über  30,000  Mann
starken  Heere  Augsburg  erreicht,  welches  capitulirte.  Zu
gleicher  Zeit  rückte  der  König  Heinrich  nach  Lothringen  vor,
und  versicherte  sich  der  befestigten  Städte.  Der  Kaiser  hatte
sich,  um  dem  Tridentischen  Concil  ndher  zu  seyn,  von  Augs-