Moritz  und  die  Reformation.  243

burg  nach  Innsbruck  begeben  und  sich  dort  von  allen  Truppen
entblößt,  von  welchen  er  sich  sonst  gern  auf  die  Reichstage
begleiten  ließ.  Wäre  Moritz  nicht  durch  die  Meuterei  eines
seiner  Regimenter  aufgehalten  worden,  so  wäre  der  Kaiser
in  seine  Hände  gefallen.  Mit  genauer  Noth  gelang  es  Letzterem,
  der  eben  stark  am  Podragra  litt  und  daher  kein  Pferd
besteigen  konnte,  in  einer  Sänfte  zu  entfliehen  und  nach
Villach  in  Kärnthen  zu  eilen.  Johann  Friedrich,  wie  leicht
es  ihm  bei  dieser  Verwirrung  auch  geworden  wäre,  aus  seiner
  Haft  zu  entkommen,  verschmähte  dennoch  mit  edlem
Stolze,  von  dieser  Gelegenheit  Gebrauch  zu  machen  und
folgte  dem  Kaiser  treulich  auf  seiner  Flucht.  Haͤtte  Morit
den  fliehenden  Kaiser  hartnäckig  verfolgen  wollen,  so  würde
er  denselben  doch  noch  eingeholt  haben;  aber  die  alte  Regel:
dem  fliehenden  Feind  eine  goldne  Brücke  zu  bauen,  hielt  ihn
ab,  denselben  gefangen  zu  nehmen.  Moritz  hätte  befürchten
müssen,  durch  Gefangennehmung  des  Kaisers  selbst  dessen
Gegner  zu  reizen  und  ihm  Helfer  zu  erwecken,  die  den  Kaiser
  zwar  gern  in  der  Bedrängniß,  aber  dennoch  nicht  in  der
Haft  erblicken  wollten;  auch  trug  er  vielleicht  eine  gewisse
Scheu,  den  Kaiser,  dem  er  doch  ohnstreitig  seine  Macht  verdankte,
  auf  das  Aeußerste  zu  treiben,  und  er  hätte  vielleicht
kaum  den  Muth  gehabt,  seinem  Gefangenen  unter  die  Augen
  zu  treten.  Noch  ehe  Moritz  auf  Innsbruck  losging,  hatte
der  Kaiser  ihm  durch  seinen  Bruder  Ferdinand  gütliche  Vorschlaͤge
  machen  lassen,  die  jedoch  nichts  bezweckten,  als  den
jungen  Sieger  aufzuhalten  und  dem  Kaiser  Zeit  zu  gewinnen.
Moritz  merkte  dies  und,  ohne  die  ihm  gethanen  Versprechungen
  geradezu  abzulehnen,  ließ  er  sich  dennoch  nicht  aufbalten.
  In  Innsbruck  gestattete  er  sogar  seinen  Soloaten,  das
Eigenthum  des  Kaisers  und  der  spanischen  Truppen  zu  plündern,
  dagegen  mußten  sie  das  des  Konigs  Ferdinand  und
der  Einwohner  unangetastet  lassen.

Sieggekront  eilte  Moricz  nach  Passau,  wo  sich  nebst  dem
Kdnig  Ferdinand,  die  Gesandten  der  Churfürsten  und  vieler
andern  regierenden  Herren  eingefunden  hatten.  Hier  fährte
er  eine,  an  ihm,  dem  stets  Zurückhaltenden,  ungewohnte

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