244  Moritz  und  die  Reformation.

kühne  Sprache,  welche  des  Kaisers  bedrohliche  Absichten  gegen
  die  Freiheit  und  Selbstständigkeit  Deutschlands  deutlich
genug  rägte.  Den  hohlen  Drohungen,  welche  der  Kaiser
durch  seine  Abgeordneten  laut  werden  ließ,  sah  man  es  an,
wie  wenig  es  ihm,  in  seiner  damaligen  Verlegenheit,  damit
Ernst  war.  Beide  Theile  mußten  endlich  froh  seyn,  daß  es
zwischen  ihnen  zu  einem  Vergleiche  kam,  denn  auch  Moritz
würde,  besonders  da  Frankreich  —  in  der  richtigen  Ahnung,
daß  die  von  den  deutschen  Verbündeten  ihm  zugesscherten
Vortheile  sich  schwerlich  verwirklichen  möchten  —  seine  Truppen
  zurückzog,  seine  kühne,  angreifende  Stellung  für  die
Dauer  nicht  haben  behaupten  können.  Es  kam  demnach  der
Passauer  Vertrag  zu  Stande,  der  am  2.  August  1552
unterzeichnet  wurde  und  welcher  bestimmte,  daß  der  Landgraf
  Philipp  in  Freiheit  gesetzt,  in  Hinsicht  der  kirchlichen
Angelegenheiten  aber  binnen  sechs  Monaten  ein  Reichstag  gehalten
  werden  sollte,  der  Alles  friedlich  zu  entscheiden  habe.
Schon  von  jetzt  an  sollte  ein  beständiger  Friede  zwischen
beiden  Religionsparteien  bestehen,  die  Protestanten  in  ihrem
Glauben  geduldet  und  geschützt,  alle  frühere  Mandate  gegen
sie  aufgehoben  und  ihnen  der  Zutritt  zu  dem  Reichskammergericht
  eben  so  verstattet  werden,  wie  den  Bekennern  des  romisch-katholischen
  Glaubens.  In  einem  Ergänzungsartikel
wurde  von  Ferdinand  noch  besonders  versprochen,  daß  der
bisherige  Friede  zwischen  beiden  Religionsparteien  bis  zur
endlichen  Entscheidung  bestehen  sollte,  wenn  auch  letztere  auf
dem  angesetzten  Reichstage  noch  nicht  ermittelt  werden  konnte.
  Dagegen  hatten  die  Verbündeten  die  Waffen  niederzulegen
  oder  sie  zur  Unterstützung  Ferdinands  gegen  die  Türken
zu  gebrauchen.

Moritz,  der  wohl  einsah,  daß  er  gegen  den  Katser  nur
mit  einem  schnellen,  entscheidenden  Schlage,  wie  der  von
ihm  ausgeführte,  Etwas  habe  ausrichten  können,  aber  es
nicht  füglich  auf  einen  dauernden  Kampf  dürfe  ankommen
lassen,  war  über  diesen  Vertrag  ziemlich  erfreut,  der  den  Protestanten
  Frieden  und  Freiheit  gewährte,  obgleich  es  ihm
nicht  ganz  nach  seinem  Sinne  war,  daß  die  Entscheidung