Moritz  und  die  Reformation.  245

über  die  abweichenden  Glaubenspuncte  selbst,  erst  noch  einem
Reichstage  vorbehalten  bleiben  sollte.  Doch  durfte  er,  nachdem
  beinahe  in  einem  Augenblicke  so  Wichtiges  vollbracht
worden  war,  nunmehr  mit  Recht  auch  von  der  Zeit  Etwas
hoffen.  Seinem  Versprechen  gemäß  führte  er  dem  Könige
Ferdinand  Hölfstruppen  nach  Ungarn  gegen  die  Türken  zu,
wodurch  er  den  Vortheil  gewann,  sein  Heer,  ohne  den  Vertrag
  zu  brechen  oder  Aufsehen  zu  erregen,  nicht  auseinander
gehen  lassen  zu  dürfen,  sondern  es,  im  Fall  der  ränkevolle
Kaiser  einen  Räöcktritt  unternehme,  sogleich  wieder  bei  der
Hand  zu  haben.  Die  Türken  hatten  den  Arm  und  das
Schwert  des  sächsischen  Fürsten  schon  aus  früheren  Zeiten
her  kennen  und  fürchten  gelernt,  auch  war  der  Ruhm  seines
Heldenmuthes  ihnen  neuerlich  wieder  von  Deutschland  aus
zugedrungen.  Daher  erfüllte  sie  seine  Ankunft  mit  Bestürzung
  und  sie  zogen  sich  vor  ihm  zurück.

Nicht  so,  wie  Moritz,  mit  richtigem  Blicke  die  mogliche
Erndte  eines  Unternehmens  und  einer  Zeit  würdigend  und
nicht  so  bereitwillig  sich  damit  begnügend,  trat  Moritz's  Verbündeter,
  Markgraf  Albrecht  von  Brandenburg  -Culmbach
auf.  Er  hatte  sein  Vergnügen  und  seine  Rechnung  bei  dem
Kriege  gefunden  und  ihn  noch  möglichst  lange  fortzuführen
gewünscht.  Der  Passauer  Vertrag  endigte  diese  Hoffnung.
Er  zürnte  heftig  auf  Moritz,  daß  dieser  dem  Vertrage  beigetreten
  war  und  sagte  sich  davon  los,  führte  auch  den  Krieg
auf  eigne  Faust  sort.  Er  verheerte  die  meißnischen,  thüringischen
  und  fränkischen  Gebiete  und  spielte  der  Reichsstadt
Närnberg  hart  mit.  Der  Kaiser  selbst,  der  dem  Passauer
Vertrage  wenigstens  hinterrücks  einen  Streich  spielen  wollte,
unterstützte  den  unruhigen  Markgrafen  insgeheim  in  seinen
Friedensstdrungen.  Auch  Frankreich,  welches  Moritz  in  dem
Passauer  Vertrage  gänzlich  hatte  vergessen  lassen,  setzte  die
Feindseligkeiten  fort  und  brachte  den  spanischen  Heeren  des
Kaisers  gewaltige  Verluste  bei.  Das  Gestirn  des  mächtigen
  Carl's  hatte  sich  schon  seit  dem  Siege  bei  Mühlberg  geneigt,
  und  es  wollte  dem  aufgegebenen  Günstlinge  des  Glückes
nichts  mehr  gelingen.  Die  Anträáge  zu  einer  neuen  Verbin-