254  Churfürst  August.

sen,  und  August  suchte  dasselbe  dadurch  noch  fester  zu  stellen,
indem  er  zu  Dresden  ein  Appellationsgericht  anlegte,  wel—
ches  aus  sechs  Adelichen  und  sechs  Studirten,  desgleichen
einem  adelichen  Praͤsidenten  bestand.  Durch  diese  Einrich—
tung  wurde  Sachsens  Privilegium  für  immer  gesichert  und
in  Anwendung  gebracht,  und  es  fielen  seitdem  die  Appella—
tionen  an  das  Reichskammergericht,  welches  eifersuͤchtig  auf
dieses  Recht  gewesen  war  und  deshalb  die  unruhigen  Edlen
in  ihrem  Verlangen  nach  der  Reichsunmittelbarkeit  unter—
stuͤtzt  hatte,  gänzlich  weg.  Um  dieselbe  Zeit  fiel  in  Sachsen
  der  sogenannte  Saukrieg  var,  eine  Begebenheit,  die  wiederum
  einmal  ein  lebendiges  Bild  des  einstigen  Faustrechts
herauf  führte.

Die  Erben  des  im  Jahr  1555  verstorbenen  Bischofs  von
Meißen,  Nicolaus  II.  aus  dem  adelichen  Hause  Carlowitz,
wollten  von  dem  neuen  Bischof  Johann  von  Haugwitz,
durchaus  ein  angeblich  zweites  Testament  ihres  verstorbenen
Verwandten  heraushaben,  da  das  vorgefundene  Testament
aͤlter  und  von  ihm  noch  als  Domherr  niedergelegt  worden
war.  Der  Bischof  Johann  versicherte,  von  einem  solchen
zweiten  Testamente  seines  Vorgängers  nichts  zu  wissen,  geschweige
  denn  dasselbe  in  seinen  Händen  zu  haben;  aber
die  Carlowitzischen  Erben  —  unter  ihnen  besonders  Augufst's
Stallmeister,  Hanns  von  Carlowitz  —  beruhigten  sich  bei
dieser  Erklärung  nicht,  sagten  dem  Bischof  eine  förmliche
Fehde  an,  fielen  in  sein  Gebiet  ein  und  berannten  Stolpen,
wo  der  Bischof  seinen  Aufenthalt  hatte,  Wurzen,  Mägeln
und  Bischofswerda.  Besonders  suchten  sie  ihm  zu  schaden,
indem  sie  seine  Reichsunterthanen  plünderten  und  mißhandelten,
  und  ihnen  die  Schaaf=  und  Schweinheerden  forttrieben.
  Davon  der  Name  Saukrieg.  Nachdem  die  Carlowictzischen,
  ausser  Stelpen  und  Bischofswerda,  den  ganzen  Sieft
in  ihre  Gewalt  gebracht  hatten,  schlug  sich  —  wahrscheinlich
mit  absichtlicher  Saumseligkeit,  die  Folge  eines  gespannten
Verhältnisses  mit  dem  Bischof  —  der  Churfürst  in's  Mittel
und  brachte  einen  Vergleich  zu  Stande,  in  welchem  jedoch,
seltsam  genug!  nicht  die  Anstifter,  sondern  der  Bischof  zu