256  Churfürst  August.

war,  daß  er  mit  dem  Markgrafen  zugleich  in  die  Reichsacht
versiel  und  daß  ihm  der  Bischof  von  Würzburg,  Melchior
von  Zobel,  dessen  Vasall  er  war,  sowohl  seine  Güter  einzog,
  als  auch  seiner  Gattin  ein  Legat  vorenthielt,  welches
derselben  von  einem  ihrer  Verwandten  ausgesetzt  worden
war.  Dies  versetzte  den  wilden  Grumbach  in  eine  solche
Wuth,  daß  er  auf  Mordgedanken  kam  und  wirklich  den
Bischof,  als  er  eben  aus  der  Stadt  über  die  Brücke  nach  seinem
  Schlosse  ritt,  durch  einige  von  ihm  angestellte  Mordgesellen
  erschießen  ließ.  Der  Verdacht  fiel  sogleich  auf
Grumbach  und  das  Domcapitel  brachte  sofort  eine  Anklage
gegen  ihn  vor  den  Kaiser.  Aber  Grumbach  wußte  sich  die
unzufriedene  Stimmung  eines  großen  Theils  des  deutschen
Adels  —  welcher  seit  der  Reformation  seinen  Einfluß  auf
die  Staatsverhältnisse  und  sein  patricisches  Uebergewicht  über
das  Volk  vermindert  sah  und  ausserdem  meist  von  dem
Streben  nach  Reichsunmittelbarkeit  beseclt  war  —  zu  Nutze
zu  machen,  verband  sich  mit  mehreren  mißvergnügten  Edlen,
wie  Wilhelm  von  Stein,  Albrecht  von  Rosenberg,  Ernst  von
Mandelsloh,  Jobst  von  Zedtwitz  u.  A.  und  wußte  sich  sogar
  in  das  Vertrauen  des  Herzogs  Johann  Friedrich  II.  —
des  dltesten  Sohnes  des  unglücklichen  Johann  Friedrich  —
einzuschleichen,  indem  er  demselben  hochsliegende  Plane  vorspiegelte,
  die  besonders  auf  Wiedererlangung  der  Churwürde
hinzielten,  und  dessen  Haß  gegen  das  chursächsische  Haus,
dessen  Grôöße  auf  den  Trümmern  der  Größe  seines  Hauses
  wurzelte,  reichliche  Sättigung  versprach.  Der  Herzeg  besaß
  die  Beharrlichkeit  seines  unglücklichen  Vaters,  die  bei
ihm,  zumal  sie  bisweilen  der  höhern  und  bessern  Motive
entbehrte,  in  Starrsinn  und  Hartnäckigkeit  ausartete.  Wilhelm
  von  Grumbach's  Einschläge  fanden  bei  ihm  um  so
willigeres  Gehöèr,  da  dieselben  von  des  Herzogs  Canzler,  Johann
  Brück,  unterstützt  wurden.  Auf  die  Gunst  und  den
Schutz  des  Herzogs  pochend,  legte  sich  Grumbach  einen
Schwarm  Reiter  zu,  fiel  mit  ihnen  in  die  Stadt  Würzburg
1563  ein,  plünderte  sie  und  erzwang  (2.  Octbr.  1563)  von  den
daselbst  befindlichen  Domherren  einen  Vergleich,  in  welchem