260  Churfuͤrst  August.

bei'm  Kaiser  verwendeten,  eifrig  entgegenarbeitete,  fand  starke
und  wohl  nicht  ungerechte  Mißbilligung,  die  theils  heimlich,
theils  offen  gegen  ihn  ausgesprochen  wurde.  Das  meiste
Aufsehen  erregte  ein  auf  ihn  gemachtes  Spottgedicht:  die
„Nachtigall;“  es  wirkte  so  stark,  daß  man  dem  Verfasser
an  Leib  und  Leben  wollte.  Ueberhaupt  scheint  August  in
solchen  Faͤllen  eine  sehr  duͤnne  Haut  besessen  zu  haben,  so
daß  der  leiseste  Spott  oder  Tadel  unbehaglich  ihn  ergriff  und
ihn  —  was  freilich  nicht  eben  der  Beleg  eines  reinen  Bewußtseyns,
  geschweige  denn  einer  großen  Scele  —  zu  Feindschaft
  und  Nache  gegen  den  Urheber  hinriß,  wofür  sich  mehrere
  Fälle  als  Beweise  vorfinden.

Durch  den  Tod  des  letzten  (Titular-)  Burggrafen  von
Meißen  plauischer  Linic,  des  Grafen  Heinrich  von  Hartenstein,
  fiel  die  burggräfliche  Reichöstandschaft,  wie  auch  Titel
und  Wappen  an  den  Churfürsten  August.  Die  burggräflichen
Länder  und  Güter,  hatte  der  Burggraf  Heinrich  II.  schon
im  Jahre  1439  durch  den  sogenannten  Machtspruch  an  Chursachsen
  überlassen  und  blos  Titel  und  Wappen  und  die  Reichsstandschaft
  noch  für  sich  behalten.  Auch  von  denjenigen
Gütern,  welche  die  Burggrafen  als  Voigte  von  Plauen  be-1330

  sessen  hatten,  hatte  August  schon  im  Jahre  1559  Amt  und
Schloß  Voigtöberg,  die  Städte  Plauen,  Oelsnitz  und  Adorf,
nebst  einigen  Flecken  unterpfandlich,  und  später  (1569)  erblich
  an  sich  gebracht.  Eben  so  fiel  ihm  das  Amt  Pausa  zu.
Dennoch  machte  es  ihm  Mühe,  die  Belehnung  darüber  zu
empfangen;  denn  die  erworbenen  Güter  waren  böhmische
Lehen,  und  August  mußte  sich  erst  verbindlich  machen,  keine
böhmische  Lehngüter  weiter  an  sich  zu  kaufen,  ehe  Kaiser
Maximilian  II,  als  König  von  Böhmen,  ihm  die  Belehnung
ertheilte.  August  ward  nicht  müde,  sich  unaufhörlich  nach
neuen  Erwerbungen  umzusehen,  und  was  sein  Bruder  Moritz
durch  Klugheit  und  Kühnheit  vereint  ausrichtete,  gelang  ihm
durch  einen  gewissen  politisch=  kaufmännischen  Tact.

Die  alten  berühmten  und  einst  mächtigen  Grafen  von
Mansfeld,  welche  von  den  Herren  von  Querfurt  abstammten,
  theilten  sich  in  zwei  Linien,  die  Ernestinische  und  Alber-