262  Churfuͤrst  August.

Capitel,  die  Stiftsregierung  seinem  Vater  abtrat,  und  diesem
  blieb,  nach  Alexanders  Tode  (1565),  die  Administration
beider  Stifte.  Auch  das  Bisthum  Meißen  nebst  dem  Col-1581

  legiatstifte  Wurzen,  wurde  im  Jahre  1581  dem  Churfürsten
vom  Bischof  Johann  von  Haugwitz  auf  gewisse  Jahre  uͤber—
geben;  allein  dieser  unbestimmten  Zeit  ohngeachtet,  behielt
das  Bisthum  Meißen  seit  dieser  Uebergabe  immer  einen  Administrator
  aus  dem  chursächsischen  Hause,  und  wurde  Letterem
  spater,  unter  Johann  Georg  II.  auf  immer  überlassen.
  So  war  der  Streit  mit  den  widerspenstigen  Bisthümern
  endlich  auch  beigelegt.

August  verstand  dasjenige,  was  die  kühne  Staatsklugheit
und  das  Gläck  seines  Bruders  erworben  hatten,  auf  eine  vorsichtige
  und  richtige  Weise  zu  befestigen  und  einzuwurzeln.
Beinahe  ohne  jedes  kriegerische  Mittel  —  wenn  man  die
kurze  Reichsfehde  gegen  Johann  Friedrich  II.  abrechnet,  welche
August  geleitet  hatte  —  waren  durch  ihn  wichtige  Eroberungen
  gemacht  worden,  durch  welche  sich  sein  Länderbesitz
immer  mehr  abrundete  und  an  innerm  Halte  gewann.  Aber
man  muß  ihm  den  Ruhm  lassen,  daß  seiner  Regierung  auch
eine  böhere  Tendenz,  als  blos  dussere  Erweiterung  und  Sicherstellung
  seines  Länderbesitzes,  zum  Grunde  lag.  Durch
zweckmäßige  Einrichtungen,  welche  mehr,  als  jene  kaufmännische
  Politik,  für  seinen  Beruf  zum  Fürsten  zeugten,  verstand
  er  auch  die  innere  Bedeutsamkeit  seiner  Länder  zu  erhöhen,
  die  Intelligenz  zu  befördern,  dem  Wohlstande  behülflich
  zu  seyn,  kurz  alle  Pulse  des  innern  Staatslebens  in
thätigen  und  heilsamen  Gang  zu  bringen.  Seine  Einrichtungen
  für  diese  Zwecke  geben  einen  Scharfsinn,  eine  Staatskenntniß
  und  zugleich  eine  treffende  allgemeine  Anschauung
kund,  worin  keiner  seiner  Zeitgenossen  ihm  gleich  kam.  Er
überflog  durch  diese  Vorzüge  unstreitig  sein  ganzes  Jahrhundert,
  und  selbst  vor  spätern  Zeiten  —  wo  das,  was  ihm  nur
angeborner  richtiger  Sinn  und  ein  gesundes  Naturgefühl
eingaben,  systematisch  betrieben  und  als  Wissenschaft  betrachtet
  wurde  —  hätte  er  nicht  die  Schranken  räumen  dürfen.
Nach  der  kurzen,  und  mehr  nach  aussen  als  nach  innen  ge-