Churfuͤrst  August.  267

Zuͤge,  ja  sogar  Flecken  an  ihm  wahrnimmt,  in  Absicht  auf
seine  Verdienste  um  Ordnung,  Wohlstand  und  Intelligenz
in  seinen  Landen,  den  ersten  Regenten  seiner  und  mancher
andern  Zeit  nennen.  So  oft  er  sich  jedoch  in  andre  Interessen
  mischte,  irrte  er  meist  in  seinem  Vortheile.

Schweren  Kummer  verursachten  dem  Churfürsten  die  damals
  ausbrechenden  Religionshändel.  Luther  und  Melanchthon
  —  im  Leben  so  innig  verbrüderte  Seelen  —  hatten
im  Tode  gleichsam  eine  widerstrebende  Stellung  gegen  einander
  angenommen,  die  freilich  eigentlich  nur  in  der  Augentäuschung
  der  Nachwelt  lag.  Luther  war  gegen  sein  Lebensende
  hin,  immer  unbeugsamer,  beharrlicher  geworden,  und
diese  seine  Sinnesart  gab  freilich  nicht  immer  den  rechten
Maaßstab,  wie  und  mit  welchen  Mitteln  eine  junge  Lehre
auftreten  und  sich  durchkämpfen  dürfe.  Seine  Unbeugsamkeit,
  die  sich  sogar  auf  nicht  immer  wesentliche  Dinge  lenkte,
hatte  Manches  verdorben;  man  darf  nur  an  die  durch  ihn
veranlaßte  Lossagung  der  schweizerischen  Glaubensgenossen
denken.  Wo  sein  Feuereifer  rücksichtslos  seinen  Pfad  verfolgte
  und  sich  lieber  auf=  als  Etwas  nachgab,  suchte  der
friedliche  Melanchthon,  mit  seiner  mildern  Ansicht  und  seinem
  feinern  Weltsinne,  zu  vermitteln,  nachzulassen  und  zu
vereinigen.  Luther's  strenger  Eifer  hatte  in  der  letzten  Zeit
manches  Gemüth  seiner  Lehre  entfremdet  und  es  Melanchthon's
  Grundsätzen  zugeführt,  der  freilich  nicht  im  Geringsten
Etwas  von  einer  Trennung  ahnete  und  erschrocken  seyn  würde,
  wenn  er  hätte  glauben  können,  daß  er  der  Stifter  einer
neuen  kirchlichen  Partei  werden  sollte.  Nach  seinem  Tode
(19.  April  1500)  schlossen  sich  seine  Schüler  und  Freunde  —
unter  ihnen  des  Churfürsten  nächste  Räthe  und  Begünstigte,
wie  der  Geheimerath  Cracau,  der  Leibarzt  Peucer  (Melanchthon's
  Schwiegersohn)  der  Hofprediger  Schütz,  der  Kirchenrath
  Stößel  u.  A.  —  seinen  Ansichten  noch  naͤher  an,  sie
traten  unwillkührlich  dadurch  der  schweizerischen  Lehre  im
Puncte  des  Abendmahls  bei,  die  hierin  freilich  dem  denkenden
  Manne  durch  ihr:  „es  bedeuket,“  besser  zusagen  mußte,
als  Luther's  mystisch=  künstliche  Auslegung  und  seine  Mei-