268  Churfuͤrst  August.

nnug  von  einer  geheimnißvollen  Mittheilung  des  wahren  Leibes
  und  Blutes.  Wie  jede  innige  Ueberzeugung,  so  draͤngte
auch  sie  es,  Andere  fuͤr  ihre  Ansicht  zu  gewinnen.  Der  An—
hang  mehrte  sich  schnell  und  bedeutend,  und  der  Streit  uͤber
das  Abendmahl  griff  immer  mehr  um  sich,  so  daß  eine  Re—
formation  der  Resormation  nahe  schien.  Obschon  sich  diese
Philippisten  —  wie  man  sie  nach  ihrem  Meister,  Pbllipp
Meclanchthon,  nannte  —  keincsweges  an  die  hartverschricene
Lehre  Calvin's  anschlossen,  so  bezeigten  sie  doch  derselben  eine
Duldung  und  Achtung,  welche  sie  unmittelbar  in  den  Verdacht
  des  Calviniömus  brachte  und  ihnen  den  Lamen:  Kryptocalvinisten
  erwatb.  Während  besonders  von  der  Wittenberger
  Universität  aus,  welche  noch  immer  der  milde  Geist
Melanchthon's  durchwehte,  die  Grundsaͤtze  der  Philippisten
sich  immer  mehr  verbreiteten,  wuchs  in  gleichem  Verhältniße
  auch  der  Widerstand  dagegen,  und  der  Churfürst  August
  begann  mitunter  aufmerksam  zu  werden.  Aber  seine
philippistischen  Räthe  wußten  ihn  mit  so  vieler  Vorsicht  zu
behandeln,  ihm  so  behutsam  ihre  Meinungen,  so  weit  er  sie
kennen  sollte,  beizubringen,  daß  er,  ohne  es  eigentlich  zu
ahnen  und  trotz  seiner  strengen  Anhänglichkeit  an  Luther,
selbst  Einer  der  Ihrigen  ward.  Freilich  war  der  Churfürst
gewissermaßen  in  einer  Tauschung  gehalten,  jedoch  nur  über
die  äussere  Form,  denn  der  Philippismus,  dem  er  sich,  ohne
an  dessen  Existenz  zu  glauben,  selbst  angeschlossen  hatte,  enthielt
  in  seinen  wesentlichen  Theilen  durchaus  nichts,  die
Wahrheit  und  das  Gewissen  Verletzende.  Er  ließ  also  sorglos
  so  Manches  geschehen,  was  die  Ausbreitung  des  sogenannten
  Kryptocalvinismus  sehr  unterstützte;  dahin  gehörte
besonders  die  Einführung  des  Wittenberger  Katechiömus  an
die  Stelle  des  Lutherischen.  Von  Jena  und  Weimar  aus,
wo  das  Lutherthum  auf  eine  sehr  orthodore  und  hartnäckige
Weise  verfochten  wurde,  erhob  sich  ein  großes  Geschrei  gegen
  den  Kryptocalvinismus  in  Chursachsen,  und  der  herzoglich
  sächsische  Hof,  ebenfalls  von  dem  strengen,  unnachgiebigen
  Geiste  der  dortigen  Lutheraner  beseelt,  half  dieses  Geschrei
  mehren.  Da  ereignete  sich  plötzlich  ein  Todesfall,  der