Churfuͤrst  August.  271

fen  worden  war  —  oder  auf  ihre  Stellen  Verzicht  leisten.
Durch  diese  Strenge  konnte  man  wohl  innerhalb  der  chursächsischen
  Lande,  der  Concordienformel  Eingang  und  dußerliche
  Ancrkennung  verschaffen,  jedoch  nicht  das  Ausland
dafür  gewinnen,  wo  sie  starken  Widerspruch  fand.  Die
Caloinisten,  welche  sich  durch  sie  geächtet  glaubten,  hätten
beinahe  dem  Churfürsten  August  offene  Feindseligkeiten  erwiesen;
  selbst  Elisabeth  von  England  wäre  beinahe  gegen  ihn
aufgereizt  worden,  und  er  mußte  eiligst  eine  Erklärung  von
sich  geben,  daß  seine  Maßregeln  nur  dem  protestantischen
Deutschland,  nicht  aber  dem  protestantischen  Auslande  gelten
  sollten.  Natürlich  konnten  August  und  Anna  mit  diesem
ihren  Eifererverfahren  nur  die  außere  Form  todtschlagen,
doch  der  Geist  der  Neuerung  regte  sich  um  so  geschäftiger
in  den  Trümmern  seiner  Hülle.  Die  Geistlichen  hielten  sich
zwar,  um  ihre  Stellen  nicht  einzubüßen,  genau  an  die  ihnen
  aufgedrungenen  Dogmen,  sie  buchstabirten,  da  Geist  und
Herz  nicht  so  leicht  sich  der  Form  zu  fügen  wußten,  wie
das  seelenlose  Wort,  die  Religion  nach  Sylben  und  Saͤtzen
ihren  Gemeinden  war,  aber  mit  den  Abweichungen  ging  auch
die  Ueberzeugung  für  manchen  Theil  des  schon  früher  Bestehenden
  verloren.  Man  hatte  Alles  oder  Nichts  unterdrückt.
Nach  dem  Tode  seiner  Gemahlin,  Anna,  (15.  October
1585)  —  die  noch  weit  achtbarer  gewesen  seyn  würde,  wenn  1585
sie  ihre  wirthschaftlichen  Sorgen  nicht  auch  auf  Landesund
  Religionsangelegenheiten  ausgedehnt  hätte,  verheirathete
sich  August  ziemlich  schnell  wieder  an  Agnes  Hedwig,  die
dreizehnjährige  Tochter  des  Herzogs  von  Anhalt.  Schon  am
3.  Januar  1586  fand  zu  Dessau  das  feierliche  Beilager  1586
statt.  Doch  sollte  diese  Ehe  eine  sehr  kurze  seyn,  denn  schon
am  11.  Februar  dieses  Jahres,  mithin  kaum  sechs  Wochen  nach
der  Vermählung,  starb  August  zu  Dresden  an  dem  Schlage,
im  sechszigsten  Jahre  seines  Alters,  und  ward  im  churfürstlichen
  Begräbniß  zu  Freiberg  neben  Mutter  Anna  beigesetzt.
Er  hatte  Sachsen,  unmittelbar  nach  heftigen  Stürmen,  zur
schönsten  Blüthe  innerer  Betriebsamkeit  und  Wohlhabenheit
gebracht  und  einen  neuen  Beweis  geführt,  daß  minder  glän-