272  Churfuͤrst  August.

zende,  aber  wahre  und  friedliche  Herrschertugenden  geeigneter
sind,  ein  Land  zu  begluͤcken,  als  Heldenmuth,  Ritterthum
und  Waffenglanz.  Eine  friedliche  Erde,  nur  durch  den  Pflug
des  Landmanns  zerrissen,  nahm  den  stillen  Fuͤrsten  in  ihren
Schoos  auf,  welchem  der  Segen  eines,  vom  Gefuͤhle  des
Wohlscyns  durchströmten  Volkes  in  das  Grab  folgte.  Nicht
minder,  als  sein  eigenes,  schaͤtzten  ihn  fremde  Laͤnder  und
das  deutsche  Reich.  Er  hatte  durch  Stiftung  dreier  Collegien,
  des  Cammercollegiums,  des  Appellationsgerichtes  und
des  geheimen  Rathscollegiums,  sich  auch  in  der  vaterländischen
  Rechtsgeschichte  ein  bleibendes  Denkmal  gegründet,
sich  um  Landwirthschaft,  Handel,  Bergbau,  Fabrik=  und  Manufacturwesen
  unschätzbare  Verdienste  erworben.  Auch  mancher
  schöne  und  zweckmäßige  Bau  erzählte  von  ihm;  denn
Bauen  gehdrte  zu  seinen  Steckenpferden  und  er  konnte  sich
um  so  leichter  dieses  Vergnügen  erlauben,  da  er  bei  seiner
trefflichen  innern  Einrichtung,  immer  bei  Gelde  war  und  also
Etwas  zur  allgemeinen  Zierde  beizutragen  die  Mittel  besaß.
Er  hatte  Augustusburg,  Annaburg  und  noch  mehrere  Schloͤsser
erbaut,  das  Zeughaus  zu  Dresden  angelegt  und  den  Königstein
  befestigt.  Die  Verfassung,  welche  er  seinem  Lande  gab,
konnte  zu  seiner  Zeit  unbedingt  als  eine  Musterverfassung
für  alle  übrigen  Staaten  gelten;  dem  in  einem  langen  Gewohnheitsdaseyn
  vor  ihm,  erstarrten  Gesetze,  wußte  er  neues
Leben,  neue  Schwungkraft  zu  verleihen  und  die  Anwendung
war  gewiß  noch  bei  weitem  besser,  als  das  Geses  selbst.
Künstlern  und  Gelehrten  war  er  Freund,  und  er  selbst  verlegte
  sich  mit  Vorliebe  auf  einige  Wissenschaften,  wic  er  denn
z.  B.,  das  wunderlich  =  gierige  Goldstreben  seiner  Zeit  theilend,
  sich  gern  in  alchymistischen  Operationen  versuchte,
welche  natürlich  nicht  das  verhoffte  Resultat  geben  mochten.
Auch  an  der  Drehbank  vertrieb  er  sich  manche  Stunde.  Die
Achtung,  welche  er  im  Auslande  genoß,  verschaffte  ihm,  bei
der  polnischen  Königswahl  (1572)  mehrere  Stimmen;  doch
ging,  gewiß  zu  seinem  Gläcke,  seine  Wahl  nicht  durch.  Von
funfzehn  Kindern,  die  ihm  seine  Anna  geboren,  waren  nur  noch
vier  am  Leben,  denn  eilf  derselben  hatte  der  trauernde  Va-