Christian  J.  273

ter  in  die  Grube  legen  muͤssen.  Die  vier  uͤberlebenden  waren
  drei  Toͤchter  und  ein  Sohn,  welcher,  unter  dem  Namen
Christian  I,  seinem  Vater  in  der  Regierung  folgte.  Die
juͤngste  von  August's  hinterlassenen  Toͤchtern,  Anna,  war  an
den  Herzog  Johann  Casimir  von  Sachsen-Coburg  vermaͤhlt,
doch  hatte  diese  Ehe  einen  sehr  traurigen  Ausgang,  denn  der
Herzog  ließ  sich  1593  von  Anna,  weger  verletzter  ehelicher
Treuc,  scheiden  und  sie  zu  ewigen  Gefängniß  verurtheilen,
in  welchem  sie  drei  und  zwanzig  Jahre  zubrachte,  bis  (1613)
der  Tod  sie  befreite.

Es  war  eine  große  Aufgabe,  die  Regierung  in  eben  dem
Geiste  fortzuführen,  wie  es  dem  reichbefähigten  August  gelungen
  war.  Es  gehöbrt  endlich  auch  mehr  noch  dazu,  ein  fremdes
  System  richrig  aufzunehmen  und  weiterzubilden,  als  es
zu  ersinden.  Die  Schwierigkeit  wächst,  wenn  auch  von
aussen  eine  neue  Epoche  eintritt  und  fremdartige  Verhältnisse
berücksichtigt  werden  müssen,  ohne  daß  dabei  das  Ziel  aus
den  Augen  verloren,  noch  der  Pfad  geändert  werden  soll.
Christian  I.  war  freilich  nicht  der  Mann,  sich  in  den  Sinn
der  Regicrung  seines  Vaters  zurückzuversetzen  und  dieselbe  in
ihrer  Bedeutung  zu  erfassen.  Hierzu  fehlte  es  ihm  an  Einsicht,
  aber  es  hätte  ihm  auch  die  Kraft  gemangelt,  dieses
Werk  fortzuführen,  selbst  wenn  er  es  begriffen.  Aus  gutem
Grunde  hatte  ihm  sein  Vater  (1581)  den  Vorsitz  in  dem
1574  von  ihm  errichteten  geheimen  Rathscollegium  ertheilt,
um  ihn  frühzeitig  in  Landesangelegenheiten  einzuweihen  und
ihn  dadurch  in  eine  gute  Vorschule  zu  dem  einst  ihm  zufallenden
  Herrscheramte,  einzuführen.  Aber  Christian  hatte  weder
  den  Scharfblick,  noch  den  ausdauernden  Ernst  seines
Vaters,  und  da  sich  mit  diesen  Mängeln  auch  noch  eine
körperliche  Schwäche  verband,  so  verfiel  er  um  so  schneller
und  gänzlicher  fremdem  Einflusse.  Auf  seinem  ersten  Landtage
  zu  Torgau  (1587)  berieth  sich  Christian  mit  seinen
Ständen  besonders  wegen  ernsthafterer  Uebungen  der  Soldaten,
  welche  unter  der  friedlichen  Regierung  Churfürst  August's
(der  mehr  auf  gute  Disciplin,  als  auf  vieles  Exerciren  seiner
  Kricger  gehalten  zu  haben  scheint)  wohl  ebenfalls  auf

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1587