1501

274  Christian  1.

friedlichen  Fuß  zuräckgekommen  waren,  und  wegen  besserer
Ausrüstung  fester  Plätze,  wie  z.  B.  des  Königsteins.  Schon
August  war  vom  Koͤnig  Heinrich  von  Navarra  um  Hilfe
angesprochen  worden,  hatte  jedoch  sich  durch  ausweichende
Antworten,  besonders  durch  das  freilich  ziemlich  seltsame
Ansinnen:  daß  König  Heinrich  und  die  Hugenotten  erst  der
Concordienformel  beitreten  sollten,  loszumachen  gesucht.  Christian
  hatte  günstige  Begriffe  von  den  Hugenotten  und  da  ihm
Heinrich  als  Oberhaupt  derselben  galt,  so  ließ  er  schon  auf
der  Versammlung  zu  Lüneburg  (Juli  1580)  sich  nicht  abgeneigt
  finden,  Etwas  für  Heinrich  zu  thun.  Doch  zogerte
sich  dies  hinaus,  und  erst  im  Jahr  1591,  wo  der  nunmehrige
  Kènig  Heinrich  der  IV.  seine  Bitte  wiederholte,  schickte
er  ihm  nebst  einer  nicht  unbedeutenden  Jeldsumme,  ein
Corps  Truppen  zu,  obschon  seine  Räthe  ihm  mit  guten  Gründen
  davon  abrathen  wollten.  Die  Erpeditien  trug  jedoch
keine  besonderen  Früchte,  und  Christian  erhielt,  für  die  aufgewendeten
  Kriegskosten,  welche  sich  auf  nicht  weniger  als
zwölf  Tonnen  Goldes  belaufen  haben  sollen  —  einen  Schuldschein
  vom  Konig  Heinrich  ausgestellt,  der  jedoch  nie  bezablt
worden  ist.  Christian's  Räthe  mochten  das  wohl  vorausgesehen
  haben;  aber  just  diesmal  scheint  Christian,  was  sonst
nicht  seine  Art  war,  seinen  eigenen  Weg  gegangen  zu  seyn.
Der  wirthliche  August  würde  große  Augen  dazu  gemacht
haben,  wenn  er  auf  solche  Weise  Truppen  und  Geld  hötte
verschleudern  sehen.

Aber  noch  schmerzlicher  würde  es  August  empfunden  haben,
  wenn  er  es  hätte  mit  ansehen  müssen,  wie  alle  die  von
ihm  mit  Blut  und  Mühe  bezahlten  Anstrengungen,  den  Kryptocalvinismus
  auszurotten,  unter  seinem  Sohn  und  Nachfolger,
  Christian  I.,  voͤllig  nutzlos  gemacht  wurden,  und  wie
dieser  duldsam  cine  religidse  Ueberzeugung  in  seinen  Landen
aufkommen  ließ,  welche  zu  unterdrücken,  August  Seelenruhe
und  Freundschaft  hingeopfert  und  sich  mit  den  Verwürfen
der  Mit=  und  Nachwelt  belastet  hatte.

Der  willenlose,  weichliche  Christian  bedurfte  auf  seinem
Füärstenstuhle  einer  guten  Stütze,  er  mußte  regiert  werden,