276  Christian  I.

das  Kind  auf  den  Exorcismus  zu  taufen.  Diese  Teufelsfurcht
  lieferte  eben  nicht  den  besten  Beweis  fuͤr  die  Aufklaͤ-rung
  der  Zeit;  indessen  haͤtten  Crell  und  seine  Theologen
besser  gethan,  die  Vorurtheile  eines  Volkes,  welche,  gleich
den  Launen  eines  Kindes,  nur  allmaͤhlig  abgewoͤhnt  werden
koͤnnen,  nicht  mit  solchem  Ungestuͤm  anzugreifen,  sondern  die
Zeit,  als  das  beste  Heilmittel  fuͤr  solche  Gebrechen,  mehr
mitwitken  zu  lassen.  Nur  wenige  Beschwerden  von  den
vielen,  die  sich  erhoben,  konnten  bis  zu  dem  Churfürsten  gelangen,
  denn  es  ging  Alles  durch  Crell's  Hände  und  dieser
wußte  schon,  wie  viel  der  Churfürst  erfahren  dürfe,  und  wie
viel  nicht.  Gleichwohl  wurde  so  laut  gemurrt,  daß  man
sich  gendthigt  sah,  an  einigen  Orten  den  Exorcismus  wieder
zuzulassen.  Dagegen  wurden  mehrere  Geistliche,  welche  sich
den  kirchlichen  Anordnungen  nicht  fügen  wollten,  ihrer  Aemter
  entsetzt  und  des  Landes  verwiesen,  und  selbst  der  Hofprediger,
  D.  Mirus,  welcher  sich  zu  freimüthige  Aeusserungen
  gegen  dieses  Verfahren  erlaubt  hatte,  ward  gefangen
auf  den  Kdnigstein  gebracht.  Die  Unzufriedenheit  gegen  Erell
wurde  dadurch  gemehrt,  daß  er,  um  alle  Landesangelegenheiten
  in  seine  Hand  zu  bekommen,  das  von  August  geführte
geheime  Rathscollegium  beinahe  ganz  ausser  Thätigkeit  brachte
und  dafär  Alles  der  Landesregierung  zur  Entscheidung  anheim
  fallen  ließ,  auch  das  nach  Dresden  versetzte  Obercensistorium
  wieder  aufhob  und  nach  Meißen,  wo  es  vordem
bestanden,  zurückverlegte.  Die  allgemeine  Erbitterung  gegen
Crell  stieg  immer  mehr,  wahrscheinlich  wurde  dieselbe  von
einem  Theile  des  Adels,  welcher  es  nicht  mit  ansehen  konnte,
daß  ein  Mann  von  bürgerlicher  Abkunft  das  unbedingte  Verkrauen
  seines  Fürsten  genieße  und  die  Zügel  der  Regierung
nach  seiner  Willkühr  führe,  noch  angefacht.  Dennoch  stand
Crell,  so  lange  der  Chürfürst  unter  den  Lebenden  weilte,
unerschütterlich  fest  auf  seinem  Platze,  und  der  geschmeichelte
Günstlig  mochte  wohl  kaum  auf  den  Fall  denken,  daß  der
Churfürst  sterben  könne.  Zu  seinem  Verderben  sollte  dies
nur  zu  früh  geschehen.  Christian  I.  starb  am  25.  Septem-1591
  ber  1591.  im  31.  Jahre  seines  Alterb  zu  Dresden.  Man