Ehristian  I.  277

wollte  behaupten,  Gift  habe  ihn  so  jung  aus  der  Welt  geraumt,
  und  wenn  sich  auch  keine  nähern  Beweise  für  die
Wahrheit  dieses  Gerüchtes  vorfanden,  so  widerfpricht  es  doch
durchaus  nicht  der  Mbglichkeit,  da  beinahe  auf  keine  andere
Weise,  als  durch  dessen  Tod,  den  gewaltsamen  Fortschritten
des  Calvinismus  ein  Ziel  zu  setzen  war,  und  manche  strenge
Anhänger  des  Evangelismus  vielleicht  selbst  das  dusserste
Mittel  nicht  scheuten,  um  die  neue  eingedrungene  Lehre  zu
vernichten,  ehe  sie  selbst  ihr  gänzlich  erliegen  müßten.  Doch
würde  seine  schwächliche  Körperbeschaffenheit,  welcher  er  obendrein
  an  der  reichbesetzten  Tafel  —  der  er  vor  Allem  zugethan
  —  oft  mehr  zumuthete  als  sie  ertragen  konnte,  einen
natürlicheren  Grund  für  sein  frühzeitiges  Absterben  bieten,
den  man  selbst  in  den  Leichenpredigten  anzuführen  nicht  unterließ.
  Er  war  ein  Fürst  von  wenig  Willenskraft  und
Selbstthätigkeit  gewesen;  die  Mängel  und  Willkührlichkeiten,
wie  die  gelegentlichen  Vorzüge  seiner  Regierung  fallen  ihm
weder  unmittelbar  zur  Last,  noch  gereichen  sie  ihm  zum  besondern
  Verdienste.  Er  hatte  fremdem  Willen  eine  geeignete
Gliederpuppe  abgegeben,  nur  daß  sein  Tod  auch  diejenigen,
die  ihn  geleitet,  zum  Fallen  brachte.  Er  wurde  nach  Freiberg
  begraben.  Durch  Erbauung  des  schönen  und  geradumigen
  Stallgebäudes  zu  Dresden,  hatte  er  sich  ein  Verdiensk
um  die  dusseren  Vorzüge  dieser  Residenz  erworben;  dieser
Bau  kam  ihm  gegen  200,000  Thaler  zu  stehen.  Auch  hatte
er  das  Churfürstliche  Begräbniß  zu  Freiberg  erneuet  und  verschdnt,
  wozu  ihn  die  im  Amte  Schwarzenberg  und  in  der
Grafschaft  Hartenstein  entdeckten  Marmorbrüche  veranlaßten,
und  den  Ritterorden  der  goldnen  Gcsellschaft  gestiftet,  welchem
  jedoch  nur  kurze  Zeit  zu  bestehen  vergdnnt  war.
Christian  I.  hinterließ  von  seiner  Gemahlin  Sophia,  einer
  brandenburgischen  Prinzessin  und  einer  um  die  Erzichung
ihrer  Kinder  sehr  eifrig  besorgten  Mutter,  drei  minderjährige
Soͤhne,  Christian  II.,  Johann  Geerg  I.,  —  welche  ihm  hintereinander
  in  der  Regierung  folgten  —  und  August,  welcher
  nach  seines  Vaters  Tode,  zum  Administrator  von  Zeiz
und  Nürnberg=  postulirt  wurde  und  schon  im  Jahre  1615