Idhann  Georg  I.  285

der  Union,  eine  protestantische  Hauptpartei  bildete,  an
deren  Spitze  —  statt  des  Churfürsten  von  Sachsen,  dem,
als  dem  mächtigsten  Haltpuncte  des  Protestantismus  in
Deutschland,  wohl  diese  Stelle  gebührt  hätte  —  der  reformirte
  Churfürst  Friedrich  IV.  von  der  Pfalz  stand.  Es  scheint
nicht,  daß  Christian  es  bereut  hat,  sich  dieser  ehrenvollen
Wärde,  als  Oberhaupt  des  protestantischen  Bundes,  verlustig
gemacht  zu  haben.  Er  hatte  nicht  den  Muth  sich  zu  einer
Partei  zu  bekennen,  welche  den  kühnsten  und  würdigsten
Kampf  der  Welt  zu  beginnen  entschlossen  war,  zumal  deren
Stellung  sich  auch  gegen  Oesterreich  richtete,  zu  welcher  Macht
Christian,  ohne  eigentlich  das  Warum  zu  wissen,  ein  blindes
Vertrauen  hegte.  Auch  hatte  er  —  durch  das  Vordraͤngen
eines  resormirten  Fürsten  im  sülichschen  Erbfolgestreite,  ein
so  heftiges  Vorurthell  gegen  die  Reformirten  gefaßt,  daß  er
sich  nicht  entschließen  konnte,  das  Glied  eines  Bundes  zu
werden,  welchem  sie  mit  angehdrten.  Der  Gegenbund,  welchen
  die  katholischen  Mächte,  an  ihrer  Spitze  den  Herzog
Maximilian  von  Baiern,  unter  dem  Namen:  die  Liga,  emichteten,
  würde,  da  hier  allerdings  gern  oder  ungern  eine  Partei

  ergriffen  seyn  wollte,  den  indifferenten  Christian  mit  der

Zeit  doch  wohl  zu  einer  Wahl  genöthigt  haben,  wenn  nicht
der  Tod  ihm  die  Unannehmlichkelt  einer  bestimmten  Erklärung
  —  die  einmal  nicht  in  Christians  Natur  lag  —  zu
ersparen  herbeigeeilt  wäre.  Christian  II.  starb  am  23.  Juni
1611  zu  Dresden  am  Schlagflusse,  im  noch  nicht  vollendeten
  28.  Lebensjahre.  Der  Tod  war  der  einzige  energische
Schritt,  den  er  im  Leben  wagte,  und  das  churfürstliche  Erbbegräbniß
  nahm  in  ihm  den  lahmen  Vorläufer  einer  hereinbrechenden
  großen  Zeit  auf.  Von  seiner  Gemahlin,  Hedwig,
einer  Prinzessin  von  Dänemark,  binterließ  er  keine  Nachkommenz
  daher  folgte  ihm  sein  älterer  Bruder,  Johann  Georg  I.
in  der  Regierung.

Es  hätte  des  Geistes  und  des  Armes  eines  Moritz  bedurft,
  um  Sachsen  glücklich  durch  jene  verworrenen  und  stürmenden
  Zeitverhältnisse  zu  führen,  welche  nunmehr  über
Deutschland  hereinbrachen.  Der  Zündstoff,  welcher  seit  Jah-1611

