Johann  Georg  I.  287

von  der  Pfalz,  übernahm;  denn  die  utraquistischen  Stände  in
Böhmen,  welche  den  neuen  Kaiser  nicht  anerkannten,  erwiesen,
  daß  Boͤhmen  und  Schlesien  unter  saͤchsischem  Vicariat
stehe  und  erbaten  den  saͤchsischen  Vicariatsschutz.  Diese  boͤhmischen
  Unruhen  haͤtten  dem  Churfuͤrsten  noch  weit  glaͤnzendere
  Fruͤchte  bringen  koͤnnen,  wenn  er  den  Muth  gehabt
haͤtte,  danach  zu  greifen,  obschon  ein  guͤnstiger,  oder  vielmehr
ein  bleibender  Erfolg  zweifelhaft  genug  gewesen  wäre  und
man  ihm  daher  seine  Bedenklichkeiten  nicht  zum  Vorwurfe
machen  kann.  Die  utraquistischen  Stände  in  Böhmen,
welche  nach  Mathias  Tode  sich  hartnäckig  weigerten,  den
ihnen  eingesetzten  Ferdinand  als  König  anzuerkennen,  sondern
  auf  vollige  Wahlfreiheit  Anspruch  machten,  richteten
anfangs  ihre  Blicke  auf  Tohann  Georg  und  boten  ihm  die
böhmische  Konigskrone  an.  Aber  Johann  Georg  —  mrchr
wohl  aus  Unentschlossenheit,  alz  aus  wirklicher  Anhänglichkeit
  an  Oesterreich  —  wies  dieses  Anerbieten  von  sich  und
rieth  ihnen,  bei  ihrem  Koͤnige  Ferdinand  zu  bleiben.  Er  hatte
demselben,  als  dieser  ihn  1617  nebst  seinem  Bruder  Mathias
besuchte,  versprochen,  ihm  seine  Stimme  zu  geben  und  mechte
nicht  wortbrüchig  werden.  Nicht  so  enthaltsam,  als  die
Churfürsten  von  Sachsen,  zeigte  sich  der  Churfürst  Friedrich
V.  von  der  Pfalz,  welcher,  auf  den  Beistand  der  Union,  deren
Oberhaupt  er  war,  und  auf  den  seines  Schwiegervaters,  des
Königs  von  England  bauend,  die  ihm  dargebotene  böhmische
Krone  annahm,  obschen  ihm  Johann  Georg  nicht  ohne  guten
  Grund  davon  abgerathen  hatte.  Dieser  hegte  anfangs
die  freilich  kaum  ausführbare  Absicht  der  Neutralität  und,
um  dieselbe  behaupten  und  seine  Lande  gegen  alle  Durchzüge
  schutzen  zu  können,  setzte  er  es  auf  einem  Kreistag  zu
Leipzig  im  Jahre  1620  durch,  daß  man  ein  4000  Mann  starkes
  Corps  herzustellen  beschloß,  welches  ihm,  als  Kreisobersten,
anvertraut  seyn  sollte.  Doch  gab  er  diesen  Entschluß,  der
unter  so  dringenden  Verhältnissen  schwerlich  durchzuführen
gewesen  wáre,  bald  wieder  auf.  Es  mochten  ihn  vielerlei
Gründe  zu  dieser  Willensänderung  veranlassen.  Am  meisten
wirkten  wahrscheinlich  die  Bitten  und  Versprechungen  des