Johanu  Georg  I.  289

fuͤgten,  so  bestaͤtigte  er  ihnen,  in  des  Kaisers  Namen,  ihre
bestehenden  Religionsfreiheiten.  Der  Kaiser  war  mit  dieser
Milde  durchaus  nicht  einverstanden,  obschon  er  selbst  dem
Churfürsten  Vollmacht  hierzu  gegeben  hatte,  welcher  sich  auch
auf  dieselbe  berief  und  sie  in  Schlesien,  welches  sich  im  folgenden
  Jahre  dem  Kaiser  unterwarf,  wiederum  cusübte.  Zwar
erklärte  der  Churfürst  Friedrich  V.  von  der  Pfalz,  als  Gegenkönig
  von  Böhmen,  den  Churfürsten  von  Sachsen  aller
böhmischen  Lehne  verlustig,  doch  kam  dieser  Spruch  nicht
zur  Anwendung,  denn  dic  bekannte  unglückliche  Schlacht
auf  dem  weißen  Berge  bei  Prag  (8.  Novbr.  1620)  stärzte
den  unglücklichen  Friedrich  vom  böhmischen  Throne  herab
und  machte  ihn  aus  einem  Kenige  zu  einem  Flächtlinge.
Nach  diesem  entscheidenden  Siege,  den  Friedrichs  Kleinmuth
noch  mehr  vollendete,  nahm  Kaiser  Ferdinand  eine  ganz  andere
  Miene  an  und  die  zweideutige  Milde,  welche  er  vorher
geübt  oder  wenigsten5  unter  der  Hand  hatte  uͤben  lassen,
verwandelte  sich  jetzt,  wo  er  keinen  Räckhalt  mehr  besorgen
  zu  duͤrfen  glaubte,  in  offene  Härte  und  Grausamkeit.
Ven  den  vorher  vertriebenen,  jetzt  durch  ihn  zurückberufenen
Jesuiten  angestellt,  zeigle  er  dem  unterworfenen  Lande  nunmehr
  eine  forchterliche  Siegermiene.  Blutgerüste  bczeichnelen
  seine  Siegerbahn,  Untersuchungen  und  Blutverhöre  begannen,
  und  Hinrichtungen  über  Hinrichtungen  bewiesen  den
bestürzten  Böhmen,  in  wessen  Hände  sie  gefallen.  Von  ihren
  fruͤhern  Vertraͤgen,  Freiheiten  und  Rechten,  die  Ferdinand's
  Vorfahren  ihnen  ertheilt,  war  jeht  keine  Rede  mehr,
der  Majestätsbrief,  das  heiligste  Eigenthum  der  böhmischen
Nation,  ward  zerrissen,  die  cvangelischen  Kirchen  geschossen,
ihre  Priester  verjagt,  und  ihren  Bekennern  die  obrigkeitlichen
Aemter  entrissen.  Mit  Schrecken  sab  der  Churfürst  von  Sachsen
  jetzt  ein,  welcher  Sache  er  gedient  hatte  und,  trotz  seiner
  Charakter=  Halbheit,  unterließ  er  nicht,  dem  Kafser  seine
Mißbilligung  über  ein  solches  Verfahren  zu  erkennen  zu  geben,
  wozu  er  auch  sehr  gerechte  Ursache  hatte,  indem  ja
der  Kaiser  selbst  ihm  versprochen,  nichts  in  Religionssachen
in  Böhmen  zu  ändern.  Auch  mit  der  willkührlichen  und
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