Johann  Georg  l.  201

theil  mehr  an:  daß  er  und  seine  Nachfolger  vom  Kaiser,
statt  des  frühern  „Gnaden,“  nunmehr  den  Titel  Durchlaucht
  erhielten,  und,  statt  „Deine  Liebden,“  nunmehr  „Eure
Liebden“  von  ihm  geheißen  wurden.  Einige  Jahre  später
hätte  er  sich  für  diese  Auszeichnung  nicht  mehr  besonders
bei'm  Kaiser  zu  bedanken  nöthig  gehabt;  denn  in  der  Capitulation
  Ferdinands  II.  wurde  bestimmt,  daß  der  Kaiser
allen  geistlichen  und  weltlichen  Churfürsten  den  Titel:  Durchlaucht
  geben  mußte,  welcher  spaäter  unter  Carl  VII.  zu  dem
Superlativ  =  Titel:  Durchlauchtigst,  avancirte.  Für  solche
kaiserliche  Artigkeit  mußte  der  Churfürst,  bei  Anspruch  auf
Lebensart,  sich  schon  auch  gefüällig  zeigen.

Dennoch  sollte  das  gute  Vernehmen  zwischen  dem  Churfürsten
  und  dem  Kaiser  schnell  genug  einen  Stof  erleiden.
Die  Art,  wie  Letzterer  sich  in  dem  unterworfsenen  Böhmen
benahm,  das  Reactionssystem,  welchem  er  dort  vollen  Lauf
gönnte,  mußte  endlich  selbst  dem  Argwohnlosesten  die  Augen
oͤffnen  und  ihm  die  wahren  Absichten  des  Kaisers  sowohl
in  politischer,  als  besonders  in  kirchlicher  Hinsicht  öffnen.
Auch  Johann  Georg,  bei  welchem  sich,  nach  dem  ersten  Freudenrausche
  über  die  erhaltenen  schönen  Pfänder  und  die  blizzenden
  Titel,  die  Ueberzeugung  etwas  später,  als  bei  den
Uebrigen  einfand,  wurde  allmälig  mit  Besorgniß  erfüllt  und
diese  nahm  überhand,  da  der  Kaiser  seine  Anmaßungen  auch
auf  ihn  erstreckte.  Schon  seit  1625  war  Johann  Georg's
zweiter  Sohn,  August,  Coadjutor  des  Bisthums  zu  Magdeburg
  und  dieses  postulirte  ihn  1628  zum  Administrator.
Der  Kaiser  aber  wollte  dem  Domcapitel  durchaus  seinen
Sohn  Leopold  Wilhelm  zum  Administrator  aufdringen,  worin
der  Pabst  ihn  unterstützte,  und  verlangte  vom  Churfürsten
Johann  Georg,  daß  er  in  die  vom  Domcapitel  geschehene
Postulation  seines  Sohnes  nicht  willigen  sollte.  Dies  reizte
vielleicht  mehr  des  Churfürsten  Empfindlichkeit,  als  sein  politisches
  Gefühl.  Aber  der  Kaiser,  nachdem  er  sich  seit  der
Schlacht  auf  dem  weißen  Berge  einmal  in  seiner  wahren
Gestalt  gezeigt  hatte,  ging  mit  übermüthig  eilenden  Schritten
weiter.  Er  trat  (6.  März  1629)  mit  seinem  verrufenen  Re=  1629

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1628