Johann  Georg  I.  293

zu  bringen.  Doch  sollten  selbst  unter  so  dringenden  Umständen,
  noch  viele  Bedenklichkeiten  und  halbe  Maßregeln  vorangehen,
  ehe  es  zu  einem  entscheidenden  Schritte  kam.  Die
neuen  Weitlaufigkeiten  wurden  standesmäßig  mit  Berathschlagungen
  eröffnet  und  Johann  Georg  berief  zu  diesem  Zwecke,
als  Director  des  evangelischen  Deutschlands,  die  protestantischen
  Fürsten  und  Stände  nach  Leipzig,  woselbst  nebst  ihm,
der  Churfürst  von  Brandenburg,  die  Herzöge  von  Altenburg
und  Weimar,  der  Landgraf  von  Hessen  =  Cassel  und  mehrere

  andere  protestantische  Fürsten  (im  Februar  1631)  er=  1631

schienen,  und  wo  man  übereinkam,  dem  Kaiser  nochmals
wegen  Zurücknahme  des  Restitutionsedicts  und  wegen  Einstellung
  der  Kriegsbeschwerden  dringende  Vorstellungen  zu
machen  und,  im  Fall  dies  abermals  ohne  Erfolg  bliebe,  eine
Truppenmacht  in  Gemäßheit  der  Kreisordnung  zusammenzubringen
  und  mit  Gewalt  der  Waffen  die  hartangetasteten
Grundrechte  des  deutschen  Reiches  zu  schützen.  Zu  gleicher
Zeit  wurde  in  Leipzig  von  den  dort  anwesenden  lutherischen
und  reformirten  Chrelogen  ein  Collegium  gehalten,  welches
eine  Vereinigung  der  beiden  Religionsparteien  zum  Zwecke
hatte,  aber,  wie  schon  so  mancher  frühere  Versuch  dieser  Art,
zu  keinem  Zwecke  führte,  wie  noth  auch  eine  solche  Eininigung
  beiden  Theilen  that,  indem  die  Lutherisehen  sehr  des
Zuwachses  dusserer  Kräfte,  die  Refermirten  aber  auch  einer
ihr  Recht  vertretenden  Partei  bedurften,  da  sie  durch  das
Restitutionsedict  ohne  allen  Antheil  an  dem  Religionsfrieden
bleiben  sollten.  Mit  allen  diesen  Verhandlungen  war  nun
cigentlich  nichts  gethan,  als  die  Zeit  verloren  worden;  aber
es  hatte  sich  mittlerweile  eine  andere  Begebenheit  zugetragen,
  welche,  mehr  als  diese  fruchtlosen  Berathungen,  dem
Laufe  der  Dinge  einen  gewaltsamen,  donneréhnlichen  Stoß
gab  und  die  Zögernden  endlich,  selbst  widerstrebend,  zur
That  fortriß.

Am  25.  Juli  1630,  während  das  protestantische  Deutschland
  noch  sehr  in  planlosem  Schwanken  begriffen  war,  landete
  der  König  von  Schweden,  Gustav  Adolf,  mit  einem
Heere  von  ungefähr  14,000  Mann  an  den  Küsten  Pommerns.

1630