294  Johann  Geors  I.

Ohne  daß  Deutschland  für  den  Augenblick  einen  tiefern  Hintergrund
  in  dem  Plane  des  großen  Schwedenkönigs  ersehen
konnte,  durften,  mit  gerechter  Verbannung  jedes  Zweifels,
die  Protestanten  in  ihm  ihren  Bundesgenossen  und  Helfer
erblicken.  Die  Feststellung  seines  eigenen  Thrones  schon
mußte  Gustav  Adolf  bewegen,  der  Unterdrückung  des  protestantischen
  Deutschlands  entgegenzuarbeiten.  Aber  auch,  wenn
seine  Absichten  noch  heher  flogen,  wenn  der  Glanz  einer  zu
gewinnenden  Kaiserkrone  ihn  über  das  Meer  herüberrief,  so
konnte  er  nur  von  den  entfesselten  Armen  des  Protestantismus
  auf  den  deutschen  Thron  gehoben  werden,  und  in  jedem
Falle  mußte  der  Entfaltung  seines  eigenen  Gläckes,  der  Enthüllung
  seines  eigenen  Gestirns,  die  Errettung  Deutschlands
aus  den  Banden  kirchlicher  Hinterlist  und  politischer  Uebermacht
  vorangehen.  Gustav  Adolf  hatte  vorausgesetzt,  daß
die  deutschen  Fürsten  es  einsehen  würden,  wie,  ausser  seinem
kühnen  Willen,  ihm  sogar  die  Nothwendigkeit  die  Rettung
Deutschland's  zur  Pflicht  machte,  und  glaubte  um  so  sicherer
  auf  ihren  Beistand  rechnen  zu  dürfen.  Allein  zu  seinem
Befremden  stieß  er,  statt  auf  freudiges  Entgegenkommen,
vielmehr  auf  Vedenklichkeit,  Mißtrauen,  sa  auf  förmlichen
Widerstand.  Am  meisten  waren  ihm  gerade  die  beiden
Hauptstützen  der  protestantischen  Freiheit,  die  Churförsten  von
Brandenburg  und  von  Sachsen  entgegen.  Johann  Georg
zogerte  noch  immer,  etwas  Entscheidendes  gegen  Oesterreich
zu  unternehmen,  an  welches  er  —  zufolge  der  vorurtheilsvollen
  Räcksicht,  welche  mittelmäßige  Charaktere  auf  Leute
von  hohem  Range  und  dusserer  Würde  nehmen  —  eine
fortwährende  Anhänglichkeit  hatte,  obschon  es  nicht  immer
seinen  Dank  verdient  hatte.  Ueberdies  konnte  er  auch  eine
geheime  Eifersucht  gegen  Gustav  Adolf  nicht  bemeistern,  indem
  derselbe  sich  jetzt  gleichsam  in  seine  Stelle,  in  die  eines
Directors  des  protestantischen  Deutschlands  drängte  und  er,
bei  nur  einiger  Selbsterkenntniß,  demselben  allerdings  mehr
Kopf  und  Muth,  als  sich  selbst,  mithin  auch  überwiegenden
Einflus  in  dieser  Verrichtung  zutrauen  mußte.  Er  wollte
—  wenn  denun  einmal  die  unbequeme  Nothwendigkeit,  daß