Johann  Georg  I.  295

Deutschland  errettet  werden  mußte,  eintrat  —  auf  eigne
Faust  allenfalls  der  Retter  Deutschlands  seyn,  wo  er  dann
vielleicht  doch  noch  einige  Rücksicht  auf  Oesterreich  haͤtte  nehmen
  können.  Der  Schwede  aber  stand  ihm  im  Lichte,  und
ehe  Deutschland  diesem  seine  Rettung  verdanken  sollte,
hätte  Johann  Gcorg  es  vielleicht  lieber  ungerettet  gelassen.
Doch  da  er  vielleicht  hoffte,  daß  Gustav  Adolf,  wenn  er  in
Deurschland  keine  Unterstätzung  fände,  bald  freiwillig  oder
gezwungen  den  Räckweg  antreten  würde,  so  bereitete  er  mit
anständiger  Gemächlichkeit  sich  selbst  zur  Errettung  Deutschlands
  vor,  und,  in  Gemäßheit  des  Convents  zu  Leipzig,
wurden  bereits  Werbungen  unternommen,  welche  die  Intriguen
  des  österreichischen  Hofes  umsonst  zu  vereiteln  strebten.
Eigentlich  ging  Johann  Georgs  Absicht  dahin,  jede  offensive
Stellung  gegen  Oesterreich  zu  vermeiden  und  sich  vielmehe
in  einer  vermittelnden,  zioischen  dem  Kaiser  und  dem  protestantischen
  Deutschland  zu  erhalten,  die  freilich  in  einer  schon
so  weit  vorgeschrittenen  Crisis  zu  spät  kam,  nach  der  Einmischung
  des  Schweden  aber  vollig  unausführbar  wurde
und  den  Churfürsten  mitsammt  seinen  sächsischen  Landen  angstvoll
  zwischen  Thür  und  Angel  gebracht  haben  würde.  Der
Kaiser  war  verblendet  genug,  dem  Churfürsten,  statt  ihn  in
dieser  schwankenden  Stellung  so  lange  wie  möäglich  zu  erhalten,
  vielmehr  ernsthaft  anzudeuten,  daß  er  sich  von  dem
Leipziger  Bunde  zurückziehen  sollte,  und  diesem  Verlangen,
da  es  nicht  gehört  wurde,  Drohungen  nachfolgen  zu  lassen.
Magdeburg'ê  fürchterliches  Schicksal,  die  Zerstdrung  dieser
schönen  blühenden  Stadt  (10.  Mai  1631)  durch  den  kaiser=  1631
lichen  General  Tilly  —  welcher  vielleicht  vorzubeugen  gewesen
  waͤre,  wenn  Johann  Georg  dem  Konige  ven  Schweden,
der  zum  Entsatze  Magdeburgs  herbeigeeilt  kam,  den  Durchmarsch
  durch  sein  Land  nicht  mit  grausamer  Neutralitätssucht
  verweigert  hätte  —  veränderte  schrecklich  die  ganze
Scene.  Nach  einem  dreitägigen  Morden  und  Verwüsten
verkundete  Tilly  mit  Hyänengemüthlichkeit  den  Uebriggebliebenen
  Pardonz  der  Muth  des  vorher  ziemlich  verlegenen
Kaisers  stleg  auf's  Neue  und  der  Protestantismus  schien