296  Johann  Georg  I.

über  Magdeburg's  blutigen  Trümmern  den  Todesstoß  erhalten
  zu  haben.  Obgleich  Tohann  Georg  noch  immer  sich  zu
keinem  selbstthätigen  Schritte  entschließen  konnte,  so  ward
er  doch  nun  bald  in  die  Nothwendigkeit  versetzt,  für  seine
cigene  Sicherheit  besorgt  zu  seyn.  Tilly  rückte  drohend  auf
Leipzig  los  und  Johann  Georg  mußte  nunmehr  eilen,  sich  in
die  Arme  des  Königs  von  Schweden  zu  werfen,  dessen  Bundesgenossenschaft
  er  so  lange  Zeit  ausgeschlagen  hatte.  Er
ließ  durch  seinen  Gesandten  die  dringende  Bitte  an  Gustav
  Adolf  ergehen,  ihn  in  sein  Bündniß  aufzunehmen
und  ihm  Beistand  zu  gewähren.  Dem  Schwedenkdnige
konnte  dieser  Beitritt  cines  so  mächtigen  Fürsten,  der,  so
lange  er  Freund  des  Kaisers  blieb,  ihm  nic  den  Rücken  frei
gelassen  hätte,  nur  erwünscht  seyn,  aber  eben  so  wenig  verkannte
  er  den  Wankelmuth  des  Churfürsten,  daher  er,  wenn
auch  nur  zum  Schein,  dem  sächsischen  Abgesandten  anfangs
mit  Kälte  und  mit  Zweifeln  entgegnete  und  ihm  zu  verstehen
  gab,  daß  er  sich  von  der  Treue  des  Churfürsten,  dessen
Räthe  sich  von  Oesterreich  besolden  ließen,  nicht  viel  versprechen
  könne.  Er  stellte  harte  Bedingungen  und  verlangte
vom  Churfürsten  nicht  weniger,  als  daß  ihm  derselbe  Wittenberg
  einrdume,  seinen  altesten  Prinzen  als  Geißel  stelle
und  die  hbeimlich  österreichisch  gesinnten  Räthe  ausliefere.  Dem
Churfürsten  war  in  seiner  schrecklichen  Verlegenheit  keine  Bedingung
  zu  schwer.  Er  ließ  zurücksagen,  daß  nicht  nur  Wittenberg,
  sondern  er  selbst  und  sein  ganzes  Land  sich  dem
Könige  zu  Geißel  darstellen  wollten,  und  Gustav  Adolf,  von
des  Churfürsten  Angst  vielleicht  noch  mehr  gerührt,  als  von
seinem  Vertrauen,  stand  großmäthig  von  seinen  ersten  harten
Bedingungen  ab  und  verlangte,  ausser  Oeffnung  der  Elbpässe,
nur  hinreichenden  Proviant  für  die  schwedische  Armee.  Es
war  hohe  Zeit,  daß  der  Churfürst  sich  unter  jeder  Bedingung
  der  Hilfe  des  Königs  versicherte,  denn  Tilly  drang  mit
einem  starken  Heere  immer  tiefer  in  Sachsen  ein,  von  ihm
geängstigt,  hatte  sich  Leipzig  ergeben  und  Merseburg  wurde
von  seinem  Unterfeldherrn  Pappenheim  genommen.  Der
sonst  so  schwankende  Churfürst  hatte  im  Bewußtseyn,  daß