Johann  Georg  J.  297

ein  Gustav  Adolf  ihm  zur  Seite  stehe,  gewaltigen  Muth
crlangt,  und  um  seine  Lande  nicht  länger  der  Willkuͤhr  eines
  grausamen  Feindes  ausgesetzt  zu  sehen,  wünschte  er  sehnlichst
  eine  Hauptschlacht.  Gustav  Adolf  —  theils  aus  weiser
  Heldenvorsicht,  theils  auch,  um  den  Muth  und  die  Treue
des  Churfürsten  einer  nochmaligen  Prüfung  zu  unterwerfen  —
ausserte  Bedenklichkeiten  wegen  einer  zu  unternehmenden
Schlacht  und  gab  dem  Churfürsten  zu  bedenken,  daß  durch
eine  Hauptschlacht  auch  so  ziemlich  Alles  mit  einem  Male
auf  die  Spitze  gestellt  und  daß,  wenn  das  eigensinnige  Glück
sie  diesmal  verlasse  und  den  Sieg  auf  die  Seite  des  Feindes
  lenke,  zwar  für  ihn,  den  Konig,  weniger  gewagt  sey,
indem  ihm  die  Rückkehr  in  seine  Lande  freistehe  und  er  in
Schweden  eine  gute  Schanze  gegen  die  Kaiserlichen  finde,
daß  aber  die  schwersten  Folgen  der  Niederlage  dem  Churfürsten
  zur  Last  fallen  und  ihn  der  vollen  Rache  des  Kailers
  preiegeben  würden.  Darauf  wußte  der  Churfürst,  dessen
  Heer  sich  in  der  Gegend  von  Düben  mit  den  Schweden
vereinigt  hatte,  freilich  nicht  viel  zu  antworten;  er  konnte
nichts,  als  seinen  sehnlichen  Wunsch  nach  einer  Hauptentscheidung
  durch  eine  Hauptschlacht  ausdrücken,  und  der  Koͤ—
nig,  dem  es  mit  seinen  Sweifeln  nicht  so  ernst  gewesen  war,
der  vielmehr  den  Churfürsten  —  welcher,  so  lange  ihm  die
geringste  Aussicht  offen  blieb,  sich  und  die  Seinigen  mit
Sweiseln  und  Erwägen  zu  quälen  pflegte  —  an  den  Abhang
eines  Entschlusses  führen  wollte,  gab  endlich  seine  Einwilli—
gung.  Nicht  so  schnell  konnte  sich  diesmal  der  alte  blutige
Kriegsmann  Ailly  zu  einer  Schlacht  entschließen;  wie  eine
böse  Ahnung  zog  es  ihn  von  einem  eatscheidenden  Kampfe
gegen  den  jungen  schwedischen  Helden  zurück,  gegen  seine
sonstige  Gewohnheit  schwankte  und  zagte  er.  Er  begann
sich  bei  Leipzig  zu  verschanzen  und  hätte  nicht  der  ungestüme
Pappenheim  den  Widerstrebenden  beinahe  gewaltsam  zum
Kampfe  hingerissen,  so  würde  er  sich  noch  eine  geraume
Weile  durch  ausweichende  Bewegungen  hinzuhalten  gesucht
haben.  Halb  gezwungen  gab  er  seine  feste  Stellung  auf,
und  bei  Breitenfeld  ohnweit  Leipzig,  fiel  nunmehr  die  große