2098  Johann  Georg  I.

entscheidende  Schlacht  vor,  in  welcher  blutig  über  das  Wohl
oder  Wehe  des  neuen  Glaubens  gewürfelt  wurde.  Tilly
hatte,  nach  langem  Zögern,  gleichwohl  diesmal  zu  keinem
guten  Entschlusse  kommen  können,  mühsam  rang  er  seinem
sonst  so  unternehmenden  Geiste  —  der  ihn  bisher  stets  zum
Sieger  gemacht  hatte  —  einen  obendrein  verfehlten  Plan
ab;  der  düstre  Würgengel  Magdeburg's  sollte  seinen  Sieger
  finden.  Zwar  schien  der  Anfang  der  Schlacht  sich  günstig
  für  Tilly  zu  zeigen,  denn  es  gelang  ihm,  sich  mit  Ungestäm
  auf  den  linken  Flügel  der  Verbündeten  zu  werfen,
welcher  aus  Sachsen  bestand  und,  da  es  meist  junge  noch
wenig  geübte  Soldaten  waren,  in  Unordnung  gerietb.  Der
Churfürst,  welcher  so  hitzig  auf  eine  Hauptschlacht  bestanden,
war,  als  die  Seinigen  wichen,  keiner  der  letzten  und  sprengte
athemlos  gegen  Eilenburg  hin,  wo  er  wieder  Halt  machte.
Nur  die  altern  Regimenter  der  Sachsen  hielten  Stand  und
vereinigten  sich,  um  den  Ruhm  ihrer  Waffen  und  ihres  Volkes
  zu  retten,  unmittelbar  mit  den  Schweden.  Die  ausgezeichnete
  Feldherrnkunst  Gustav  Adolfs  und  die  Tapferkeit
der  Seinigen,  wußte  diesen  augenblicklichen  Nachtheil  in
Vortheil  zu  verwandeln,  eine  kühne  Schwenkung  gegen  die
Anhöbe,  wo  Tilly  sein  Geschütz  im  Räücken  seiner  Armee
aufgepflanzt  hatte,  setzte  ihn  in  Besitz  desselben  und  ließ  die
Kaiserlichen  nunmehr  die  Wirkung  ihres  eigenen  Geschützes
empfinden.  Dies  entschied  Tilly's  gänzliche  Niederlage.
Das  furchtbare  Heer,  welches  er  geführt,  noch  vor  einigen
Stunden  der  Schrecken  des  protestantischen  Deutschlands,
wurde  zum  großen  Theil  vernichtet  —  ein  gewaltiges  Gottesgericht
  für  den  Mordbrand  an  Magdeburg!  —  und  seine
Ueberbleibsel  zersprengt.  Tilly's  blutiger  Lorbeer  ward  ihm
durch  diesen  Tag  vom  Haupte  gerissen,  8000  seiner
Krieger  deckten  die  Wahlstadt,  selbst  ein  großer  Theil  der  fliehenden
  ward  unterweges,  Viele  durch  die  Rache  des  erbitterten
  Landvolkes,  erschlagen.  Unbedeutend  gegen  den  schrecklichen
  Verlust  der  Kaiserlichen,  war  der  Verlust  der  Schweden.
  Dies  war  die  Ausbeute  eines  einzigen  glorreichen  Tages,
  des  7.  Septembers  1631.  Die  unmittelbare  Folge  die-